VERHALTENSTHERAPIE
Die Verhaltenstherapie entstand in den 40er Jahren aus lerntheoretischen
Konzepten, die davon ausgehen, dass die meisten psychischen Probleme
gelernt und durch systematische Anwendung der Lernprinzipien auch wieder
verlernt werden können. Seit Beginn hat die Verhaltenstherapie verschiedene
Entwicklungen und Neuerungen erlebt. Am bekanntesten ist die sogenannte
"kognitive Wende" der 60er und 70er Jahre, seit der vermehrt auch andere,
gleichermaßen wissenschaftlich fundierte Konzepte (z. B. kognitive Theorien,
Emotionstheorien, Kommunikationstheorien, Psychophysiologie, Stressmodelle
und Selbstregulationskonzepte) zum Tragen kommen. Nach einer sozialpsychologischen
Erweiterung in den 80er Jahren folgte zu Beginn der 90er Jahre eine
verstärkte klinische Integration der Verhaltenstherapie, was zur Entwicklung
störungsspezifischer Methoden, einer vermehrten Berücksichtigung sozialpsychologischer
Konzepte (z. B.Therapeut-Klient-Beziehung) und der Integration der systemischen
Perspektive in die Verhaltenstherapie führte.
Heute beschreibt der Begriff "Verhaltenstherapie" eine sehr
breite psychotherapeutische Orientierung, die insbesondere im Zusammenhang
mit psychologischer Forschung wirksame Behandlungsformen entwickelt.
Ihre Einsatzbereiche sind neben psychischen Störungen im engeren Sinn
vor allem allgemeine Lebensprobleme, aber auch zwischenmenschliche Probleme
und psychische Begleiterscheinungen von somatischen Erkrankungen. Zur
Bewältigung und Behandlung dieser wurde eine Reihe von Strategien und
Methoden entwickelt, die sowohl allgemein (z. B. Entspannung, Bewältigungstraining,
Selbstmanagement-Training, Verstärkung, kognitive Umstrukturierung etc.)
wie insbesondere auch störungsspezifisch (z. B. bei Ängsten, Zwängen,
Traumata/Belastungsstörungen, Depressionen, Schizophrenie, Essstörungen
etc.) Anwendung finden.
Das therapeutische Vorgehen verläuft phasenhaft und setzt auf
eine aktive Mitarbeit des Klienten im Sinne der Übernahme von Eigenverantwortung
sowie auf die Bereitschaft, sich aktiv auf einen Veränderungs- und Lernprozess
einzulassen. Neben spezifischen therapeutischen Zielen geht es in der
Verhaltenstherapie zentral auch um eine Stärkung des Selbsthilfepotenzials
des Klienten/Patienten. Die Therapie geht von den konkret vorhandenen
Problemen aus und versucht diese durch die Anwendung konkreter Methoden
(z. B. Konfrontation mit angstauslösenden Situationen in der Vorstellung
oder Wirklichkeit, Verstärkung erwünschter Verhaltensweisen, Hinterfragen
negativer Gedanken und Vorstellungen, Erlernen sozialer Verhaltensweisen
etc.) einer Lösung oder Veränderung zuzuführen. Am Beginn stehen dabei
eine umfassende und differenzierte Abklärung der Problemlage und die
Erarbeitung der therapeutischen Ziele. Daran schließt sich die überlegte
und begründete Auswahl der therapeutischen Methoden und deren Anwendung
an. Die Therapie wird durch regelmäßige Verlaufskontrollen begleitet.
Der Therapeut geht mit dem Klienten eine kooperative Arbeitsbeziehung
ein, in der die einzelnen Therapieschritte gemeinsam geplant werden.
Setting: Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapien; Häufigkeit
und Intensität variieren nach Problem und Bedarf zwischen ein- und zweimal
wöchentlich. Therapien werden häufig in der realen Lebensumgebung des
Klienten durchgeführt (Angststörungen, Familieninterventionen, Zwangsstörungen
etc.); Dauer durchschnittlich zwischen 10 und 50 Stunden, bei chronifizierten
und schweren Problemen auch bis zu 100 Stunden.
Dr. Anton-Rupert Laireiter
Ausbildungsleiter in Verhaltenstherapie am Institut für Verhaltenstherapie
der AVM