Wie behandelt man Sucht und Abhängigkeit?
Medizinische Behandlung
Menschen mit einer Missbrauchs- oder Abhängigkeitsproblematik werden in den meisten Fällen am Beginn einer Behandlung zunächst einer medizinischen Untersuchung und nötigenfalls einer körperlichen Entzugsbehandlung unterzogen. Ziel dieser Maßnahme ist es, bei völligem Entzug des Suchtmittels körperliche Entzugserscheinungen (siehe "Was ist Abhängigkeit") unter Kontrolle und schließlich ganz zum Abklingen zu bringen Diese Behandlung wird stationär in einer medizinischen Abteilung eines allgemeinen Krankenhauses oder in einer psychiatrischen Fachabteilung durchgeführt.
Zudem bietet die Medizin heute Medikamente - sogenannte "Anticravingmittel" - zur Unterdrückung von Alkohol- und auch Nikotinverlangen an. Ihr Ziel ist es, durch die Beeinflussung von Botenstoffen im Gehirn ein Sättigungsgefühl zu erzeugen und somit das Verlangen nach der Substanz zu verhindern. Der Einsatz solcher Mittel ist nur begrenzt möglich und zielführend.
Psychologische Behandlung
Der medizinischen Entzugsbehandlung folgt bei entsprechender Indikation eine stationäre Entwöhnungstherapie, die in speziell eingerichteten Sonderkrankenhäusern angeboten wird. Die körperliche Entzugssymptomatik ist subjektiv weitgehend abgeklungen, die psychische Abhängigkeit jedoch und die Gefahr des Auftretens neuerlichen Verlangens unverändert vorhanden. Unter meist psychologischer und psychotherapeutischer Anleitung wird versucht, das Problembewusstsein des Abhängigen und seine Motivation zum Festhalten an der Abstinenz zu stärken.
Methoden der psychologischen Behandlung
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Psychotherapeutische Einzelgespräche
In regelmäßigen Einzelsitzungen erhält der Kranke die Möglichkeit seine einzigartige Problematik individuell zu hinterfragen und zu bearbeiten, um letztendlich einen persönlichen Weg zur Bewältigung seiner Sucht zu finden.
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Gruppenpsychotherapie
Eine in der Suchttherapie traditionell erprobte Behandlungsweise ist die der Gruppengespräche. Durch sie wird es dem einzelnen möglich, die Sichtweisen und Bewältigungsformen anderer kennen zu lernen und gleichzeitig ein Solidaritätsgefühl zu entwickeln, das sein Selbstvertrauen stärkt und ihm die Erfahrung mitgibt, mit seinem Problem nicht allein zu sein.
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Beschäftigungstherapie
Hier soll dem Abhängigen einerseits Gelegenheit gegeben werden, neue Fähigkeiten an sich zu entdecken und andererseits wieder Ausdauer zu finden, sich ein Ziel zu setzen und beständig daran zu arbeiten. Gleichzeitig ist künstlerische und handwerkliche Betätigung eine mögliche Ausdrucksform des persönlichen Erlebens und Fühlens und somit eine gute Auseinandersetzung mit sich selbst.
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Bewegungstherapie
Da mit der Sucht in vielen Fällen ein Bewegungsmangel einhergeht, gilt es, den Erkrankten auch dahingehend zu aktivieren, ihm wieder Gefühl und Eigenverantwortung für seinen Körper zu vermitteln und ihm dadurch eine mögliche Alltagsalternative zum bisherigen Suchtverhalten aufzuzeigen.
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Entspannungstechniken
Ein wesentlicher Bestandteil von stationären Entwöhnungsbehandlungen ist das Erlernen von Entspannungstechniken, wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und ähnlichem. Auch das kann später zu einer sinnvollen Alternative in der Bewältigung von Alltagsschwierigkeiten bis hin zu Lebenskrisen werden.
Sollte eine stationäre Behandlung nicht indiziert oder aus verschiedenen Gründen nicht möglich sein, bietet die Psychotherapie breitgestreute Möglichkeiten vor allem bei der Behandlung von beteiligten psychischen Grundstörungen (siehe "Abhängigkeit und psychische Störung"), wie Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Beziehungsproblemen und ähnlichem mehr. Eine ambulante psychotherapeutische Behandlung der Abhängigkeit an sich stellt sich im allgemeinen als schwierig aber nicht von vorne herein ausgeschlossen dar. Gute Erfolge sind in der Raucherentwöhnung bekannt. Der Schwerpunkt liegt hierbei im Erwerb von Selbstkontrolle und Entspannungstraining.
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