Kognitive Therapie
Kognitive Therapie ("Kognitiv" kommt von "Kognitionen", was so viel bedeutet wie Gedanken) setzt an den Sorgen und Katastrophengedanken an und versucht eine Veränderung dieser belastenden Gedanken.
Prinzip
Das Prinzip der kognitiven Therapie lautet: Man kann Sorgen nicht "abschalten". Man kann sich jedoch von Sorgen distanzieren, indem man die Sorgen und deren Auslöser anders bewertet.
Menschen mit generalisierten Ängsten weisen eine ganze Reihe von "Fehlern" in der Bewertung ihrer Umwelt auf. So neigen sie in ungewissen Situationen dazu, immer gleich an Katastrophen zu denken ("Handy aus bedeutet Unfall; Unfall bedeutet Tod"). Außerdem überschätzen sie die Wahrscheinlichkeit von negativen Ereignissen und Katastrophen ("die Wahrscheinlichkeit das mein Kind einen Unfall hat, wenn sich niemand meldet, liegt bei 90%"). Bei genauerer Analyse der negativen Bewertungen und Sorgen findet man bei Menschen mit generalisierter Angst außerdem oft den zugrundeliegenden Wunsch: "Ich will 100% Sicherheit haben". Eine 100% Sicherheit ist aber im Leben einfach nicht möglich.
In der kognitiven Therapie geht es darum, anhand der konkreten Sorgen die individuellen Bewertungsverzerrungen zu erkennen und zu verändern.
Durchführung
Zuerst sammelt der Patient mit Hilfe des Therapeuten typische einzelne Sorgensituationen und die zugehörigen Bewertungen. Nun wird eine Sorge ausgewählt, mit der begonnen werden soll. Im nächsten Schritt erfolgt eine eingehende Diskussion der Sorge. Ähnlich wie es z.B. ein Wissenschaftler oder Anwalt beim Plädoyer tun würde, müssen die Sorgeninhalte und Befürchtungen genau überprüft werden. Der Therapeut und der Patient beurteilen hierzu die Sorge hinsichtlich folgender Fragen:
  • Was spricht für meine Befürchtung? Welche Beobachtungen oder Beweise stützen meine Sorge?
  • Was spricht gegen meine Befürchtung? Welche Beobachtungen/ Beweise sprechen gegen meine Sorge?
  • Wie wahrscheinlich ist meine Befürchtung?
  • Was ist das schlimmste, was passieren kann? Was würde das für mich bedeuten?
  • Was könnte ich tun?
  • Welche alternative Sichtweise bzw. Bewertung der Situation wäre möglich?
  • Was spricht für diese alternative Sichtweise?
  • Wie kann ich diese alternative Sichtweise ausprobieren?
  • Die Diskussionsphase ist dann beendet, wenn der Patient die belastenden Situationen und Sorgen realistisch einschätzen kann und eine alternative Bewertung gefunden hat. Die kognitive Umstrukturierungstechnik kann er dann schrittweise selbständig in Sorgensituationen ausprobieren und auch in späteren Belastungssituationen einsetzen.
    Beispiel Herr N.

    Auslösesituation: "Herr N. soll zur Computerschulung"
    Bewertung:"Mein Chef hält mich für einen Versager!" --> Sorgen und Grübeln
    Alternative Bewertung: "Bei neuen Programmen ist eine Schulung ganz normal"
    Beispiel Frau R.

    Auslösesituation "Die Tagesmutter meldet sich auf dem Handy nicht"
    Bewertung "Es ist etwas passiert!" --> Sorgen und Grübeln
    Alternative Bewertung: "Sie werden gerade einen Spaziergang machen" --> keine Beunruhigung

    Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation - AVM, Paris-Lodron-Straße 32, 5020 Salzburg, Österreich