Einsatz von "Sicherheitsverhalten"
Menschen mit generalisierten Ängsten versuchen sich durch sogenanntes "Sicherheitsverhal-ten" zu beruhigen. Sie suchen z.B. bei anderen Personen nach Rückversicherungen oder ver-suchen sich durch Kontrollhandlungen zu vergewissern, dass sie sich keine Sorgen machen brauchen. Diese Rückversicherungen und Kontrollen beruhigen zwar zuerst, bald schon kommen jedoch Zweifel und es schleichen sich neue Sorgen ein ("Es könnte ja trotzdem ..."). Zusätzlich vermeiden die betroffenen Personen oftmals sorgenrelevante Aktivitäten und Situationen oder lenken sich ab. Dadurch halten sie die sorgenrelevanten Situationen zwar zuerst fern, schieben die Sorgen aber lediglich auf.
Beispiele für Sicherheitsverhalten:
Telefonanrufe, Nachfragen beim Partner, Chef oder bei Kollegen, Verkehrsnachrichten anhören, Arztbesuche, etc.

 

 

Kontrolle von Sparbüchern, Kontrollen auf der Arbeit, Absuchen des eigenen Körpers nach Auffälligkeiten, etc.
Sich nicht mit dem Computer beschäftigen, sich keine Arbeit suchen, nicht zum Arzt gehen, keine Rechnungen öffnen, keine Zeitung mehr lesen, nicht alleine bleiben, etc.
Telefonieren, Fernsehen schauen, Hausarbeit, etc.
In der folgenden Abbildung sind die Prozesse, durch deren Zusammenwirken die Sorgen am Laufen gehalten werden, noch einmal im Überblick dargestellt:
GAD-Bewertung
Der Sorgenprozess beginnt damit, dass eine Situation oder ein Ereignis (1.) von einer Person als bedrohlich oder belastend bewertet wird (2.). Diese Bewertung erfolgt blitzschnell und automatisch. Die Person bekommt Angst und es drängen sich Sorgen auf
(3.). Die betreffende Person versucht mit ihrer Angst und den Sorgen umzugehen, indem sie gedankliche Vermeidungsmaßnahmen und Sicherheitsverhalten einsetzt (4.). Die Auswirkungen dieser Strategien sind durch den blauen Pfeil dargestellt: Kurzfristig wirkt der Umgang mit den Sorgen durch Sorgenvermeidung und Sicherheitsverhalten erst einmal entlastend und beruhigend.
Die Sorgen und Ängste werden gedämpft, man verschafft sich eine kurze "Verschnaufpause". Langfristig bleiben die Sorgen und Ängste aufrechterhalten, ja sie verstärken sich sogar in ihrer Intensität und Häufigkeit. Dies liegt dran, dass man die Sorgen nicht richtig verarbeitet hat und sie lediglich aufgeschoben hat. Durch das Sicherheitsverhalten und die Sorgenvermeidung hat die Person nicht nachprüfen können, ob die Situation wirklich so bedrohlich war und ob die Angst und Sorgen von alleine nachgelassen hätten. Aus diesem Grund beginnt mit großer Wahrscheinlichkeit in einer ähnlichen Situation der gleiche Sorgen-prozess erneut.
Beispiel Herr N.
Er vermeidet es, den Brief mit den Computerkursen genau zu lesen (Vermeidung) und versucht seine Zeitungslektüre fortzusetzen (Ablenkung). Es drängen sich ihm Sorgen auf: "Ich bin nicht gut genug! Mein Chef hat das veranlasst. Oder es war ein Kollege. Dies ist meine letzte Warnung vor der Kündigung. Ich werde arbeitslos sein. Dann kann ich meine Schulden nicht mehr bezahlen. Daran darf ich gar nicht denken..." (Sorgenketten). Herr N. schafft es, seine Sorgen einigermaßen in Schach zu halten. Beim nächsten Auslöser (Fernsehbericht über Arbeitslosigkeit) beginnen seine Sorgen jedoch erneut.
Beispiel Frau R.
Nachdem Frau R. die Tagesmutter nicht erreicht hat, beginnt sie zu grübeln: "Es wird ein Unfall passiert sein! Aber die Tagesmutter ist doch vorsichtig. Heute morgen hat mein Kind wenig gegessen. Es ist krank! Dann hätte sich die Tagesmutter doch gemeldet. Vielleicht kann sie sich nicht melden, weil etwas Schlimmes passiert ist..." (Sorgenketten). Frau R. versucht immer wieder die Tagesmutter zu erreichen und sie fragt im Krankenhaus nach (Rückversicherungen). Sie kontrolliert im Telefonbuch die Nummer der Tages-mutter (Kontrollen). Im Wechsel dazu schaut sie Fernsehen (Ablenkung). So bringt sie den Morgen vorüber. Am nächsten Tag beginnt die gleiche Tortur erneut.
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