Wie wird eine Generalisierte
Angststörung (GAS) behandelt?
Es gibt zwei Behandlungsformen
der generalisierten Angsterkrankung, die medikamentöse Behandlung sowie speziell
auf die generalisierte Angst zugeschnittene psychotherapeutische Behandlungsansätze.
In den letzten Jahren sind in beiden Bereichen neue, erfolgversprechende Behandlungsansätze
entwickelt worden.
1.
Medikamentöse Behandlung
Zur Behandlung von Angststörungen
werden in der Medizin Psychopharmaka eingesetzt. Dies sind Medikamente, die
auf das zentrale Nervensystem wirken. Die Generalisierte Angsterkrankung wird
in der Regel durch das angstlösende Medikament Buspiron (Handelsname Bespar)
oder das relativ neue Antidepressivum Venlafaxin (Handelsname Trevilor) behandelt.
Die genannten Medikamente sind erst nach längerer Behandlung wirksam und bewirken
neben einer Reduktion der Angst und Sorgen v.a. eine Verbesserung der Stimmung.
Leider besitzen beide
Medikamente eine Reihe von Nebenwirkungen (z.B. Magenbeschwerden, Übelkeit,
Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Nervosität). Außerdem kommt es beim Absetzen
der Medikamente sehr oft zu einem Rückfall der Angstsymptome. In Untersuchungen
hat sich gezeigt, dass eine psychotherapeutische Behandlung in vielen Fällen
zu langfristig besseren und stabileren Erfolgen führt als eine alleinige medikamentöse
Behandlung. Wenn die körperlichen Begleiterscheinungen von Ängsten und Sorgen
im Vordergrund stehen, können jedoch Psychotherapie und Medikamente kombiniert
werden.
2.
Psychotherapeutische Behandlung
. Die spezifischen Behandlungsansätze
zur GAS entstammen aus der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Richtung. Dies
ist eine Therapieform, die sich vor allen Dingen mit der Frage beschäftigt,
welche Verhaltensweisen und Gedankenmuster für psychische Störungen verantwortlich
sind und wie man diese verändern kann. Kognitive Verhaltenstherapie wird von
Psychologen oder Ärzten durchgeführt, die eine verhaltenstherapeutische Ausbildung
absolviert haben.
Anfangsphase der Therapie
Zu Beginn der Therapie
werden die Angstsymptome und körperlichen Beschwerden möglichst genau erhoben.
Außerdem müssen körperliche Erkrankungen (z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Bluthochdruck,
Herzerkrankungen) oder andere Angstverursachungen (Angst kann auch durch Medikamenteneinnahme,
Alkohol oder andere Rauschmittel ausgelöst werden) ausgeschlossen werden.
Schließlich klärt der behandelnde Arzt und Psychologe ab, ob die Ängste und
Sorgen nicht im Rahmen anderer psychischer Probleme (z.B. andere Angststörung,
Depressionen) auftreten. Hier kommen manchmal Fragebögen oder Interviews zum
Einsatz. Diese helfen dem Therapeuten, die spätere Behandlung genau anzupassen.
Ein wichtige Grundlage
der Angsttherapie sind Informationen über die Natur und Bedeutung von Angst
und Sorgen. Für das Verständnis der späteren Therapieschritte muss der
Patient wissen, was Angst ist, welche Bedeutung sie hat und wie sich Angst
genau zeigt. Für viele Patienten sind bereits diese Informationen sehr hilfreich,
da sie besser verstehen, dass Angst eigentlich etwas Natürliches und sogar
etwas Sinnvolles ist und das Ängste nicht gefährlich sind.
Als nächsten Schritt
werden in einer Verhaltensanalyse das Auftreten und die Inhalte von
Sorgen individuell sehr genau erfasst. Dabei kann der Patient durch eine Beobachtung
seiner Sorgen im Alltag wichtige Informationen liefern. Deshalb wird er vom
Therapeuten instruiert, zwischen den Therapiesitzungen die Sorgen genau zu
beobachten und sich in einer Art "Tagebuch" Notizen über die Entstehung und
den Verlauf von Sorgen und Ängsten zu machen. Im Mittelpunkt der Verhaltensanalyse
stehen folgende Fragen:
Was sind Inhalte und der genaue Ablauf der Sorgen und Ängste?
In welchen Situationen, bei welchen Ereignissen treten Sorgen auf?
Was bewirken die Ängste und Sorgen (z.B. körperliche Auswirkungen)?
Gibt es bestimmte Situationen/Dinge die der Betroffene wegen der Sorgen vermeidet?
Gibt es bestimmte Dinge, die er tut, um sich zu beruhigen, abzulenken?
Wann begannen die Beschwerden und wie sind sie dann über Zeit hinweg verlaufen?
Aufbauend auf der Verhaltensanalyse
und den Informationen zur Lebensgeschichte erfolgt dann die gemeinsame Erarbeitung
eines Erklärungsmodells, welches einen möglichst genauen Einblick darüber
vermitteln soll, wie es möglich war, dass die Angst entstanden ist und v.a.
weshalb die Ängste so chronisch geworden sind. Dieses Erklärungsmodell kann
z.B. so ähnlich aussehen, wie das Modell, welches unter dem Punkt "Wie entsteht
eine generalisierte Angsterkrankung?" beschrieben wurde. Wichtig ist, dass
es an die individuelle Lebensgeschichte und Situation des Patienten angepasst
ist und er sich darin wiederfindet!
Danach werden die notwendigen
therapeutischen Methoden geplant. Im folgenden werden dazu die wichtigsten
Interventionsformen in der kognitiven Verhaltenstherapie der Generalisierten
Angsterkrankung dargestellt.
Das Phänomen Angst
Angst ist eine biologische Reaktion, die dem menschlichen Überleben dient (z.B. Angst vor Feuer). Angst zeigt sich in Gefühlen, Gedanken, körperlichen Vorgängen und im Verhalten. Sorgen betreffen v.a. die gedankliche Ebene. Angst und Sorgen treten blitzschnell und automatisch auf. Man kann sie nicht einfach abstellen. Angst und Sorgen sind unangenehm, aber nicht gefährlich