Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?
Von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS; sie wird auch als "emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline Typus" bezeichnet) spricht man, wenn die betroffene Person unter einem "tiefgreifenden Muster von Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Gefühlen sowie unter deutlicher Impulsivität" leidet.
Neben der BPS gibt es eine Reihe anderer Persönlichkeitsstörungen (z.B. die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung oder die abhängige Persönlichkeitsstörung; für eine kurze Beschreibung siehe unten). Jede dieser Untergruppen ist gekennzeichnet durch spezielle Merkmale. Zunächst ist es jedoch wichtig, den Begriff einer "Persönlichkeitsstörung" genauer zu erklären. Was ist damit gemeint?
Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörungen sind belastende und problematische Muster des Erlebens und Verhaltens, die manchmal über Jahrzehnte andauern können. Die betroffenen Personen kennen sich selbst nicht anders, sie waren immer schon so, die Probleme sind praktisch Teil der Persönlichkeit
Ein depressiver Mensch etwa kann sich gut daran erinnern, wie es ist, sich wohl zu fühlen, gesund zu sein. Er weiß damit auch, dass seine Stimmung und sein depressives Denken eine Störung darstellen, die er gerne loswerden würde, wenn er auch nicht weiß wie. Ein Mensch mit einer Persönlichkeitsstörung hingegen merkt häufig nicht, dass er unter einer Störung leidet, weil er sich selbst einfach nicht anders kennt. Er kann sich nicht vorstellen, anders zu denken oder zu empfinden, obwohl er durch seine Probleme sehr belastet ist
Menschen mit einer BPS erleben also als ein Merkmal der Störung eine "tiefgreifende Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen". Jedoch werden die meisten Menschen zeitweilig instabile zwischenmenschlichen Beziehungen erleben. Vor allem in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter (aber immer wieder auch später) sind Umbrüche und deutliche Veränderungen in den Beziehungen möglich. Konflikte, Krisen und Belastungen in dieser Zeit sind häufig (z.B. Scheidung). Eine gewisse Instabilität in Beziehungen ist somit normal und nicht ungewöhnlich. Ab wann spricht man dann von einer Persönlichkeitsstörung?
Eine Persönlichkeitsstörung ist erst dann gegeben, wenn mehrere Kriterien erfüllt sind. So müssen erstens (1) die Schwierigkeiten deutlich von den üblichen Erwartungen des Umfelds abweichen. Eine Person mit BPS erlebt deutlich häufiger und oft deutlich heftiger Konflikte mit nahen Bezugspersonen als andere Menschen in ihrem Umfeld.
Die Probleme müssen (2) in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter begonnen haben und während der meisten Zeit im Erwachsenenalter feststellbar sein. Man würde also nicht von einer Persönlichkeitsstörung sprechen, wenn eine Person etwa alle 5 Jahre ein paar Monate Konflikte mit ihrer Umgebung hat, auch wenn diese Konflikte sehr heftig sind. Die Schwierigkeiten müssen durchgehend vorhanden sein.
Die Schwierigkeiten zeigen sich weiterhin nicht nur mit einzelnen Personen (etwa ein immerwährender heftiger Streit mit der Mutter), sondern in verschiedenen zwischenmenschlichen Bereichen (z.B. Streit mit der Familie, Arbeitskollegen und Freunden). Das heißt, die Verhaltensmuster sind (3) unflexibel und starr. Unabhängig von der jeweiligen Person wird sehr ähnlich reagiert.
Und das Verhaltensmuster muss (4) in deutlicher Weise zu Leiden oder Beeinträchtigung in den sozialen Kontakten, im Beruf oder anderen wichtigen Bereichen führen. Mit den Betroffenen leiden bei BPS häufig auch die nahen Bezugspersonen (Eltern, Partner, Kinder) und Freunde. Wenn weder die Person selbst noch andere Personen leiden, spricht man nicht von einer Störung, auch wenn sich die Person vielleicht etwas schrullig oder ungewöhnlich verhält.
Es gibt eine Reihe verschiedener Persönlichkeitsstörungen. Neben der Borderline-Persönlichkeitsstörung unterscheidet man etwa eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung (starke Schüchternheit und soziale Angst während des gesamten Lebens), eine schizoide Persönlichkeitsstörung (starker Rückzug von und wenig Interesse an sozialen Kontakten, begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken oder Freude zu empfinden), eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung (permanente Gefühle von Zweifel, Perfektionismus und übertriebene Gewissenhaftigkeit, Vorsicht und Halsstarrigkeit), eine abhängige Persönlichkeitsstörung (starke Abhängigkeit bei kleineren und größeren Entscheidungen von anderen Personen, Hilflosigkeit, Trennungsangst) und einige mehr. Allerdings lassen sich die einzelnen Störungen nicht immer klar von einander abgrenzen, d.h. bei einer Person kommen häufig Merkmale von mehreren dieser Störungen vor.
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