Was ist eine Spezifische Phobie?
Spezifische Phobien sind ein verbreitetes Phänomen: Viele Menschen berichten von Ängsten vor bestimmten Tieren oder Situationen wie Höhe, Enge etc. Allerdings werden die Wenigsten durch diese Ängste in ihrem Alltag wirklich beeinträchtigt - wenn dies aber der Fall ist, so spricht man von einer klinisch bedeutsamen spezifischen Phobie.
Merkmale
  • Eine ausgeprägte Angst tritt (fast) immer auf, wenn die betreffende Person  Kontakt mit dem gefürchteten Objekt (z.B. einem Tier) hat oder sich in der speziellen Situation (z.B. Höhe) befindet.      
  • Die Person versucht, die angsterzeugenden Situationen zu meiden.   
  • Die Person weiß, dass ihre Angst übertrieben oder unsinnig ist (ausgenommen Kinder, die die Unsinnigkeit von Ängsten oft noch nicht beurteilen können
  • Je nach Inhalt der Angst werden die folgenden Untergruppen unterschieden
    Tier-Typus: Angst vor bestimmten Tieren, häufig Spinnen, Schlangen, Tauben, Hunde  etc.
    Umwelt-Typus: Angst vor bestimmten Umweltphänomenen wie Höhe, Wasser, Stürme, Gewitter etc.
    Blut-Spritzen-Verletzungs-Typus: Angst beim Anblick von Blut/Verletzung oder bei Gabe einer Injektion oder bei anderen medizinischen Eingriffen. Die Betroffenen schildern ihr Problem häufig auch nicht als Angst, sondern als Übelkeit oder Gefühl iner nahenden Ohnmacht, wobei manche Blutphobiker auch tatsächlich Ohnmachten erleben.
    Situativer Typus: Angst in speziellen Situationen, wie enge Räume, Fahrstuhl, Tunnel, Fliegen etc.
    Anderer Typus: Restkategorie, z.B. Infektionsängste, d.h. Angst, eine Krankheit (Aids, Krebs etc.) zu erwerben; Angst vor Reizen, die zum Erbrechen führen könnten  etc.
    Es wird vielfach diskutiert, ob sogenannte "Aversionen" als spezifische Phobien gesehen werden können. Viele Personen vermeiden den taktilen Kontakt mit bestimmten Gegenständen (z.B. Haut eines Pfirsichs, wollige Kleidung), oder aber akustische oder geschmackliche Reize (z.B. Quietschen von Kreide auf der Tafel bzw. bestimmte Speisen). Hierbei steht aber wohl eher ein Gefühl des Ekels und der Unruhe im Vordergrund als Angst im engeren Sinne, und genetische Aspekte scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.
    Oft bestimmen Kontextbedingungen deutlich die Behandlungsbedürftigkeit einer spezifischen Phobie: Eine Flugphobie beispielsweise bedeutet für viele Menschen kein gravierendes Problem. Ein Manager aber, der ständig beruflich fliegen muss, ist durch eine solche Angst stark behindert
    Hilfreich für eine differenzierte Betrachtung einer Phobie ist - wie auch für andere Störungsbilder - die Unterscheidung verschiedener Ebenen (hier veranschaulicht am Beispiel von Herrn M):
    Auf der gedanklichen Ebene zeigt sich die Angst. in Aussagen wie "oh Gott ist das  hoch", "gleich falle ich in Ohnmacht" usw.
    Im Verhalten sind Strategien der Flucht und Vermeidung zentral, z.B. hohe Orte vermeiden, beim Wahrnehmen von Symptomen zurückgehen usw.
    Im körperlich-physiologischen Bereich sind eine Reihe unspezifischer Reaktionen zu nennen, bei Herrn M. sind dies vor allem Zittern, weiche Knie, Herzklopfen, Schwindel und Übelkeit.
    Diese unterschiedlichen Aspekte der Angst hängen natürlich eng zusammen und beeinflussen einander, beispielsweise verstärken Katastrophenbefürchtungen auf der gedanklichen Ebene eher auch die körperlichen Symptome. Auf diese Weise können sich phobische Reaktionen in manchen Fällen bis zur Panik steigern.
    Beispiele

    Herr M. leidet schon länger unter Höhenangst. Wenn er von Höhen über ca. 5m hinunter schaut, wird ihm ganz mulmig, er zittert, bekommt Herzrasen und weiche Knie. Das wird so unangenehm, dass er meint, es nicht ertragen zu können und von dem hohen Ort flüchtet. Inzwischen passiert dies allerdings nur noch selten, da er sich von vorneherein nicht mehr in die Höhe wagt. Problematisch ist dies für ihn vor allem deshalb, weil er in seinem Beruf häufiger Baustellen und Anlagen überprüfen muss und dazu auch Gerüste und Leitern besteigen muss. Außerdem ist er leidenschaftliches Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr und kann dort aber aufgrund seiner Ängste nicht richtig "seinen Mann stehen".

    Frau P. leidet unter einer Blut/Spritzen/ Verletzungsphobie. Kleine Verletzungen machen ihr zwar noch nichts aus, aber sie hat panische Angst davor, zum Arzt zu gehen, wenn dort Blutabnahmen, Impfungen oder andere Eingriffe anstehen. Manchmal steht sie dann eine Stunde vor der Praxis, bis sie sich schließlich durchringt hineinzugehen. Und schon im Wartezimmer ist ihr ganz übel vor Angst und dem "medizinischen Geruch". Wenn sie dann die Impfung bekommt, wird ihr plötzlich schwarz vor Augen und sie fällt in Ohnmacht. Dies ist ihr natürlich auch furchtbar peinlich. Besonders wichtig ist ihr die Überwindung dieser Ängste, weil sie an sich gerne schwanger werden würde, aber sich das momentan wegen der Angst vor Untersuchungen und der Geburt nicht zutraut.

    Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation - AVM, Vierthalerstraße 8/2/8, 5020 Salzburg, Österreich