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Beispiel Frau T.

Frau T. ist 27Jahre alt und kommt wegen wiederhol-ten Suizidversuchen mit Tabletten, nach einem stationären Aufenthalt in die Therapie.

Frau T. hatte erstmals mit 10 Jahren Selbstmordge-danken, nachdem sie ihr Großvater mehrmals sexuell missbraucht hatte, ihre Mutter jedoch nichts zu ihrem Schutz unter-nahm, obwohl sie ihr das Verhalten des Großvaters berichtet hatte. Sie stellte jedoch fest, dass sie die große Hilflosigkeit und Ohnmacht relativ gut be-wältigen konnte, indem sie gedanklich und emotional einfach "abschaltete". Vor allem die folgenden Miss-brauchserfahrungen kon-nte sie auf diese Weise einigermaßen ertragen. Sie empfand sich selbst als vom Körper losgelöst, damit war die Situation nicht mehr so schlimm. Dieses Gefühl taucht seit-her immer häufiger auf, dies vor allem in Konflikt-situationen. Sie ist dann wie erstarrt und lässt alles über sich ergehen, ohne sich zu wehren.

Im Alter von 13 Jahren be-gann Frau T., sich Schnit-te an Unter- und Oberar-men bzw. auf dem Bauch zuzufügen, wenn ihre Min-derwertigkeitsgefühle und ihr Selbsthass zu stark wurden. Sie gab sich be-reits damals und auch heute noch häufig selbst die Schuld an dem Miss-brauch. Sie würde es wohl verdient haben, so behan-delt zu werden. Sicher sei sie ein schlechter Mensch, der sühnen müs-se. Die Selbstverletzungen helfen ihr kurzfristig, sich wieder "normal" zu fühlen. "Blut tut gut", d.h. sobald sie zu bluten beginnt, empfindet sie Erleichte-rung, die negativen Gefüh-le werden weniger, das Gefühl der Entfremdung geht zurück.

Mit 23Jahren führt eine massive Auseinanderset-zung mit ihrer Mutter da-zu, dass Frau T. sich völlig hoffnungslos fühlt und erstmals eine Überdosis Tabletten schluckt. Sie überlebt den Suizidversuch glücklicherweise und lan-det auf einer psychia-trischen Station. Es ist der erste von insgesamt 3 Suizidversuchen, von denen der letzte 2 Monate vor Beginn der Therapie tödlich gewesen wäre. Nachdem sie die Tabletten geschluckt hatte, rief Frau T. jedoch von sich aus den Notarzt und ließ sich ins Krankenhaus bringen.

Die Selbstverletzungen helfen Frau T. zwar häufig, um ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Dane-ben hat sie jedoch begon-nen, Alkohol in großen Mengen und Schmerzme-dikamente bzw. Tranquili-zer zu konsumieren. Sie kann auf diese Weise ihre Gefühle immer wieder be-täuben. Die Toleranzent-wicklung hat jedoch dazu geführt, dass Frau T. bereits die dreifache Dosis des Tranquilizers nehmen muss, um sich zu beruhi-gen. Sie ist gezwungen, immer wieder verschie-dene Ärzte aufzusuchen, um die Medikamente zu organisieren.

Was Beziehungen betrifft, hat Frau T. nur wenige intensive Kontakte abge-sehen von ihrer Mutter. Nach sehr frühen sexuel-len Erfahrungen und vielen kurzen, sehr wechselhaf-ten Partnerschaften ist sie nun bereits 2 Jahre mit einem Mann zusammen, der ihr zunächst deutlich Stabilität gegeben hat. Während sie vorher mas-sive Angstzustände und Depressionen erlebt hatte, die sie immer wieder mit Selbstverletzungen und Medikamenten versuchte zu kontrollieren, ist sie im ersten Jahr der Beziehung so ausgeglichen wie nie zuvor. In dieser Zeit geht der Substanzkonsum deutlich zurück und Frau T. fügt sich ein ganzes Jahr lang keine Selbst-verletzungen zu.

Ihren Partner beschreibt sie in dieser Zeit als äußerst sensibel und stark. Er ist sehr geduldig und steht immer hinter ihr. Er toleriert zunächst auch ihre häufigen Jobwechsel ohne Kritik. Als Frau T. jedoch nach einem Jahr ein Kind möchte, wehrt er ab. Es sei ihm noch zu früh. Diese Zurückweisung kann Frau T. zunächst nicht fassen und reagiert mit massiven Wutaus-brüchen, die Konflikte spitzen sich dramatisch zu und enden in wüsten Beschimpfungen, worauf der Freund die Wohnung verlässt. Die zunehmende Häufigkeit der Konflikte hat ihn auch bereits dazu veranlasst, sich mehr und mehr zu distanzieren und von Trennung zu sprechen, was ohnmächtigen Hass in ihr auslöst. Wenn er die Wohnung verlassen hat, schlägt der Hass in mas-sive Verzweiflung und Panik um, Frau T. empfin-det wieder ihre Unwirklich-keitsgefühle und fügt sich Schnittwunden zu. Dies entlastet sie kurz etwas. Wichtig ist aber auch, dass ihr Freund in der Regel sehr besorgt ist, wenn sie ihm die Verlet-zungen zeigt. Er verbindet ihr die Wunden und ent-schuldigt sich. Dies war jedoch vor 2 Monaten nicht der Fall. Hier bestand ihr Freund darauf, dass sich die Situation ändern müs-se, weil er so nicht länger mit ihr leben wolle. Eine Änderung ihres Verhaltens bzw. ihres Empfindens schien Frau T. nicht mög-lich. Da sie sich keinen Ausweg vorstellen konnte und befürchtete, allein zu bleiben, griff sie zur potenziell tödlichen Dosis an Schlaftabletten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Institut

 

Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS; sie wird auch als "emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline Typus" bezeichnet) spricht man, wenn die betroffene Person unter einem "tiefgreifenden Muster von Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Gefühlen sowie unter deutlicher Impulsivität" leidet.

Neben der BPS gibt es eine Reihe anderer Persönlichkeitsstörungen (z.B. die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung oder die abhängige Persönlichkeitsstörung; für eine kurze Beschreibung siehe unten). Jede dieser Untergruppen ist gekennzeichnet durch spezielle Merkmale. Zunächst ist es jedoch wichtig, den Begriff einer "Persönlichkeitsstörung" genauer zu erklären. Was ist damit gemeint?

 

"Persönlichkeitsstörungen"

Persönlichkeitsstörungen sind belastende und problematische Muster des Erlebens und Verhaltens, die manchmal über Jahrzehnte andauern können. Die betroffenen Personen kennen sich selbst nicht anders, sie waren immer schon so, die Probleme sind praktisch Teil der Persönlichkeit.

Ein depressiver Mensch etwa kann sich gut daran erinnern, wie es ist, sich wohl zu fühlen, gesund zu sein. Er weiß damit auch, dass seine Stimmung und sein depressives Denken eine Störung darstellen, die er gerne loswerden würde, wenn er auch nicht weiß wie. Ein Mensch mit einer Persönlichkeitsstörung hingegen merkt häufig nicht, dass er unter einer Störung leidet, weil er sich selbst einfach nicht anders kennt. Er kann sich nicht vorstellen, anders zu denken oder zu empfinden, obwohl er durch seine Probleme sehr belastet ist.

Menschen mit einer BPS erleben also als ein Merkmal der Störung eine "tiefgreifende Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen". Jedoch werden die meisten Menschen zeitweilig instabile zwischenmenschlichen Beziehungen erleben. Vor allem in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter (aber immer wieder auch später) sind Umbrüche und deutliche Veränderungen in den Beziehungen möglich. Konflikte, Krisen und Belastungen in dieser Zeit sind häufig (z.B. Scheidung). Eine gewisse Instabilität in Beziehungen ist somit normal und nicht ungewöhnlich. Ab wann spricht man dann von einer Persönlichkeitsstörung?

Eine Persönlichkeitsstörung ist erst dann gegeben, wenn mehrere Kriterien erfüllt sind. So müssen erstens (1) die Schwierigkeiten deutlich von den üblichen Erwartungen des Umfelds abweichen. Eine Person mit BPS erlebt deutlich häufiger und oft deutlich heftiger Konflikte mit nahen Bezugspersonen als andere Menschen in ihrem Umfeld.

Die Probleme müssen (2) in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter begonnen haben und während der meisten Zeit im Erwachsenenalter feststellbar sein. Man würde also nicht von einer Persönlichkeitsstörung sprechen, wenn eine Person etwa alle 5 Jahre ein paar Monate Konflikte mit ihrer Umgebung hat, auch wenn diese Konflikte sehr heftig sind. Die Schwierigkeiten müssen durchgehend vorhanden sein.

Die Schwierigkeiten zeigen sich weiterhin nicht nur mit einzelnen Personen (etwa ein immerwährender heftiger Streit mit der Mutter), sondern in verschiedenen zwischenmenschlichen Bereichen (z.B. Streit mit der Familie, Arbeitskollegen und Freunden). Das heißt, die Verhaltensmuster sind (3) unflexibel und starr. Unabhängig von der jeweiligen Person wird sehr ähnlich reagiert.

Und das Verhaltensmuster muss (4) in deutlicher Weise zu Leiden oder Beeinträchtigung in den sozialen Kontakten, im Beruf oder anderen wichtigen Bereichen führen. Mit den Betroffenen leiden bei BPS häufig auch die nahen Bezugspersonen (Eltern, Partner, Kinder) und Freunde. Wenn weder die Person selbst noch andere Personen leiden, spricht man nicht von einer Störung, auch wenn sich die Person vielleicht etwas schrullig oder ungewöhnlich verhält.

Wenn alle diese Punkte klar gegeben sind, spricht man von einer Persönlichkeitsstörung. Störungen der Persönlichkeit sind sehr starke Ausformungen von normalen Eigenschaften. Jeder hat Konflikte, wechselhafte Stimmungen und Gefühle etc., aber nur ein Teil von uns leidet an einer Persönlichkeitsstörung!

Es gibt eine Reihe verschiedener Persönlichkeitsstörungen. Neben der Borderline-Persönlichkeitsstörung unterscheidet man etwa eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung (starke Schüchternheit und soziale Angst während des gesamten Lebens), eine schizoide Persönlichkeitsstörung (starker Rückzug von und wenig Interesse an sozialen Kontakten, begrenztes Vermögen, Gefühle auszudrücken oder Freude zu empfinden), eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung (permanente Gefühle von Zweifel, Perfektionismus und übertriebene Gewissenhaftigkeit, Vorsicht und Halsstarrigkeit), eine abhängige Persönlichkeitsstörung (starke Abhängigkeit bei kleineren und größeren Entscheidungen von anderen Personen, Hilflosigkeit, Trennungsangst) und einige mehr. Allerdings lassen sich die einzelnen Störungen nicht immer klar von einander abgrenzen, d.h. bei einer Person kommen häufig Merkmale von mehreren dieser Störungen vor.

 

Merkmale einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)

Neben den oben beschriebenen allgemeinen Merkmalen einer Persönlichkeitsstörung lässt sich jede Persönlichkeitsstörung nochmals genauer beschreiben. Bestimmte Merkmale kommen hier immer wieder gemeinsam vor. Von einer BPS spricht man, wenn mindestens 5 der folgenden Merkmale vorhanden sind (die Informationen sind eine Zusammenfassung der Kriterien aus dem DSM IV, dem zweiten gebräuchlichen Diagnosesystem im deutschsprachigen Raum neben dem ICD-10):

 

   Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes                                Verlassenwerden zu vermeiden

Menschen mit BPS haben häufig große Angst davor, von Bezugspersonen oder Freunden verlassen zu werden. Diese Angst kann schon durch kleine Anlässe ausgelöst werden (z.B. Zuspätkommen einer Freundin). Neben der Angst kann auch unangemessene Wut in solchen Situationen vorherrschen. Die betroffene Person hat möglicherweise einen heftigen Wutausbruch, wenn ein Freund für ein Treffen momentan keine Zeit hat. Das drohende Verlassenwerden kann neben starken Gefühlsschwankungen auch zu einer deutlichen Veränderung des Selbstbilds führen. Ganz plötzlich sieht sich die Betroffene (der Großteil der Personen mit BPS sind Frauen) als "schlecht" oder "böse".

Entsprechend große Schwierigkeiten haben Betroffene mit dem Allein-sein. Sie können es allein kaum aushalten und brauchen ständig jemanden um sich. Ihr verzweifeltes Bemühen, nicht verlassen zu werden, führt schließlich manchmal auch zu sehr dramatischen Hilferufen an die Umwelt (Selbstverletzungen, Suiziddrohungen oder sogar Suizidversuche; siehe unten).

 

   Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher                              Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen Extremen der               Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist

Personen mit BPS haben, wie erwähnt, häufig wechselhafte, aber intensive Beziehungen. Nahe Bezugspersonen wie Lebenspartner, Eltern oder Kinder werden einmal nur im positivsten Licht gesehen (d.h. idealisiert), kurze Zeit (oft nur Minuten oder Stunden) später kann durch einen kleinen Anlass die Stimmung völlig umschlagen und die Person wird als bösartig, vernachlässigend, grausam oder aggressiv erlebt (d.h. entwertet). Entsprechend häufig ergeben sich heftige Konflikte und Auseinandersetzungen (siehe unten)

Auch bei neuen Beziehungen kann sich dieses Muster zeigen. Bereits nach einzelnen Kontakten wird die neue Bekanntschaft als wunderbar erlebt, möglicherweise werden bereits beim ersten Kontakt intime Einzelheiten anvertraut und die Person wird als ideal wahrgenommen. Treten dann die ersten unvermeidlichen Enttäuschungen auf, schlägt die Sichtweise der Person ins Gegenteil um.

 

   Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des        Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung

Immer wieder erleben BPS-PatientInnen einen starken Wandel ihrer Sichtweise zur eigenen Person. Die meisten Menschen haben in der Regel ein relativ beständiges Selbstbild über Jahre (z.B. Ich bin ein hilfsbereiter Familien-Mensch, manchmal etwas jähzornig, arbeite gern, halte das Geld zusammen, möchte eine Fremdsprache lernen, liebe Musik, tue mich etwas schwer mit dem Genießen etc. etc.). Bei Menschen mit BPS lässt sich jedoch häufig eine starke Instabilität, ein starker Wandel in diesem Bild von sich selbst finden. Sie sind sich in ihren Zielen zwar momentan sicher, verfolgen jedoch ein Ziel, geben es am nächsten Tag wieder auf, um es am übernächsten wiederaufzunehmen, häufig jedoch aus voller Überzeugung. BPS-PatientInnen fühlen sich an einem Tag als wertvolle und liebenswerte Menschen mit guten Eigenschaften, am nächsten Tag als der letzte Mensch, der es nicht verdient hat, sich wohl zu fühlen, weil er abgrundtief schlecht und sündhaft ist. Diese Instabilität zeigt sich auch in den vertretenen Wertvorstellungen und sogar hinsichtlich der sexuellen Orientierung (Heterosexualität vs. Homosexualität). Der Wandel im Selbstbild tritt häufig im Zusammenhang mit Enttäuschungen in Beziehungen auf.

 

   Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden                  Bereichen (außer Selbstverletzungen oder Suiziddrohungen)

Personen mit einer BPS sind also in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen und ihrem Selbstbild impulsiv und wechselhaft. Aber auch in anderen Bereichen zeigt sich diese Impulsivität. Besonders problematisch sind Bereiche, die möglicherweise schädlich für das eigene Wohlbefinden sind. So kommt es häufig vor, dass Betroffene zu viel Alkohol, Drogen oder Medikamente konsumieren, ein risikoreiches Geschlechtsverhalten zeigen, rücksichtslos Autofahren, in Glücksspielen viel riskieren, massive "Fressanfälle" haben u.v.m. Gemeinsam ist diesen Verhaltensweisen, dass sie starke negative Folgen haben können. Dies wird jedoch in Kauf genommen bzw. das ist der eigentliche Reiz daran.

 

   Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder        -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten

BPS-PatientInnen neigen schließlich auch zu wiederholten Suizidversuchen, sie deuten oder drohen einen Selbstmord an oder verletzen sich selbst durch Ritzen, Schneiden, Brennen und ähnliche Methoden. Ein vollzogener Selbstmord muss bei ca. 8-10% der Betroffenen festgestellt werden.

Diese suizidalen oder selbstverletzenden Handlungen finden wieder häufig im Anschluss an eine Zurückweisung, einen drohenden Verlust bzw. ein drohendes Verlassenwerden statt. Sie sind in der Regel auch der Grund, warum Personen in therapeutische Behandlung kommen. Selbstverletzendes Verhalten wird dabei immer wieder als entlastend beschrieben, d.h. den Betroffenen geht es anschließend irgendwie besser. Manchmal finden Selbstverletzungen auch in einem "dissoziativen", d.h. tranceartigen Zustand statt.

 

   Stark wechselhafte Simmung

Personen, die an BPS leiden, erleben intensive und stark schwankende Gefühle von Depression, Traurigkeit, Angst, Schuld oder Scham. Diese Gefühle sind häufig die Reaktion auf die Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich und Ausdruck des äußerst negativen Selbstbilds von BPS-PatientInnen. Manchmal erleben die Betroffenen auch sehr positive Gefühle mit großer Stärke (starke Liebe, Freude oder Glück). Diese Episoden dauern in der Regel einige Stunden, selten einige Tage.

 

   Chronische Gefühle der Leere

Verbunden mit diesen starken negativen Gefühlen leiden BPS-PatientInnen häufig stark unter einem chronischen Gefühl der Leere. Sie finden Langeweile unerträglich und versuchen deshalb vielleicht, sich ständig irgendwie zu beschäftigen.

 

   Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut zu        kontrollieren

Vielleicht die auffälligste der "Gefühlsstörungen" ist das häufige Erleben von heftiger und unangemessener Wut bzw. Schwierigkeiten, diese Wut zu kontrollieren. Dies führt zu Konflikten, Ärgerausbrüchen und heftigen Streitereien mit Beschimpfungen, die manchmal bis zu körperlichen Auseinandersetzungen gehen. Anschließend fühlen sich die Betroffenen sehr schuldig bzw. schämen sich massiv für ihr Verhalten, was wiederum das negative Selbstbild verstärkt.

 

   Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide        Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome

Wenn BPS-PatientInnen durch Konflikte oder andere Faktoren stark belastet sind, kann es vorkommen, dass sich vorübergehend paranoide Vorstellungen bilden. Darunter versteht man z.B. Überzeugungen, dass man niemandem trauen kann, dass andere einem nur Schlechtes wollen und man daher äußerst vorsichtig sein muss. Die Betroffenen unterstellen Bezugspersonen nur die schlechtesten Motive für ihr Verhalten. Weiterhin treten manchmal sehr starke "dissoziative Symptome" auf. Dissoziative Symptome sind etwa starke Gefühle des Unwirklich-Seins ("Derealisation"; die Realität wirkt unwirklich, "wie im Film" etc.) oder des Losgelöst-Seins vom eigenen Körper ("Depersonalisation"; man steht irgendwie neben sich, man "schwebt unter der Decke und sieht sich selbst zu", das Gefühl, "nicht mehr ich zu sein" und Ähnliches). Diese Zustände sind in der Regel von eher kurzer Dauer und gehen wieder zurück, wenn die Belastung abnimmt (wenn der Partner etwa wieder zurückkommt).