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Beispiel Frau A. Frau A., 31 Jahre, kommt über einen Facharzt in die Praxis und beschreibt ihre Befindlichkeit folgender- maßen: "Ich kann mich schon seit einigen Wochen zu nichts mehr motivieren und fühle mich andauernd kraftlos. Nichts bereite mir noch Freude, auch die gesamten Freizeitaktivi- täten, die mir sonst als Ausgleich dienten, vernachlässige ich, da ich das Gefühl habe, auch diese nicht mehr bewältigen zu können. Alles erscheint momen-tan einfach nur noch sinnlos." Wenn es nach ihr ginge, würde sie morgens gar nicht mehr aufstehen. Am Morgen wirke der künftige Tag wie ein riesiger Berg, über den sie sich nicht mehr hinaussehe. In der Nacht könne sie nicht mehr so richtig schlafen, liege oft stundenlang wach und grüble vor sich hin. Frau A. ist verhei-ratet, Mutter einer elf-jährigen Tochter und eines sechsjährigen Sohnes und halbtags berufstätig. Sowohl zu ihrem Ehemann als auch zu den beiden Kindern bestehe ein sehr gutes Verhältnis. Das derzeitige Beschwerde-bild entwickelte sich vor ca. einem halben Jahr langsam und anfangs kaum wahrnehmbar. Aufgrund einer innerbe-trieblichen Umstruktu-rierung bekam sie einen Aufgabenbereich, der sie mehr und mehr forderte. Sie versuchte, dieses Mehr an Arbeit durch ein größeres Arbeitstempo zu kompensieren. Die Angst, dass ihr dabei Fehler unterlaufen könnten, wurde jedoch immer größer, was Konzentrationsschwierig- keiten zu Folge hatte. Auch im Kontakt zu den Kolleginnen wirkte sie nicht mehr so natürlich, was für sie mit der Angst verbunden war, immer mehr zur Außenseiterin zu werden. Nach der Arbeit sei sie völlig erschöpft gewesen und habe keine Geduld mit ihren Kindern. Körperlich fühlte sie sich immer schlechter, nichts habe ihr mehr geschmeckt. Auch das früher so wich-tige gemeinsame Joggen mit ihrer Freundin konnte ihr Stimmung nicht ver-bessern. Auch zu Treffen mit gemeinsamen Freun-den ging sie nicht mehr, da sie der Überzeugung war, sie würde den Gesprächen nicht mehr folgen können und aufgrund ihrer Erschöp-fung allen doch bloß den Abend verderben. Vor drei Wochen schrieb sie der Hausarzt krank und nun sitze sie mit Schuldgefühlen zu Hause herum. Alle Versuche, die sie unternahm, um sich "zusammenzureis-sen" seien gescheitert. Oft denke sie an den Tod, aber der Gedanke an ihre Familie haben sie bislang vor diesem Schritt zurückgehalten. |
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Was ist eine depressive Störung?
Depressionen sind weit verbreitete Erkrankungen. Nahezu jeder fünfte Mensch leidet zumindest einmal im Verlauf seines Lebens längere Zeit an einer Depression. Depressionen sind Krankheiten des Menschen in seiner Gesamtheit: Sie verändern tief greifend den Stoffwechsel und andere Körperfunktionen ebenso wie unsere Gedanken, Gefühle und unsere Verhaltensweisen anderen Menschen gegenüber. Wenn depressive Erkrankungen frühzeitig erkannt werden, sind sie mit psychologischen Verfahren und den geeigneten Medikamenten gut behandelbar.
Eine Depression (depressive Episode) besteht, wenn mehrere der folgenden Merkmale über mehr als zwei Wochen ständig vorliegen:
Gefühle von Traurigkeit,
Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit
Interessenverlust,
Freudlosigkeit oder das Gefühl innerer Leere
Verminderter Antrieb,
Aktivitätsverlust
Verminderte Konzentration
und Aufmerksamkeit
Vermindertes Selbstwertgefühl
und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühl der Wertlosigkeit
Negative und pessimistische
Zukunftsperspektiven
Suizidgedanken,
erfolgte Selbstverletzungen oder Suizidhandlungen
Einschlaf-, Durchschlafstörungen
und frühmorgendliches Erwachen
Verminderter Appetit
(Gewichtsverlust)
Mangel oder Verlust
von sexuellem Interesse
Diese Symptome verstärken sich im Laufe der Zeit gegenseitig, so dass der Betroffene das Gefühl gewinnt, wie in einer immer enger werdenden Spirale gefangen zu sein.
Welche Depressionsformen gibt es?
Obwohl immer von der Depression gesprochen wird, unterscheidet man grundsätzlich verschiedene Arten depressiver Störungen. Allen Formen ist gemeinsam, dass mindestens vier der angesprochenen Bereiche zutreffen. Dabei sind Art, Häufigkeit und Schwere der einzelnen Symptome von einem Patienten zum anderen oft recht unterschiedlich. Leidet jemand unter den genannten Zeichen einer Depression, dann ist eine genaue Diagnostik der erste Schritt zu einer Besserung. Dabei geht es um folgende Hauptziele:
Feststellung der
Art der Depression und des Schweregrades
Feststellung des
Verlaufs der Erkrankung
Ausschluss anderer
(zumeist körperlicher) Gründe, die für eine Depression verantwortlich
sein könnten
Auffindung der Ursachen
und der konkreten Auslöser für die Erkrankung
Arten der Depression: Einteilung der Depression nach ...
(Wittchen et al., 1995)
| ... Art und Anzahl der Symptome | ... dem Verlauf | .. dem Vorliegen anderer Probleme |
|
Leichtgradige Depression |
Einzelepisode einer Depression |
Manie oder Bipolare Störung |
|
(mit oder ohne somatische Merkmale) |
(= die erste und einzige Episode dieser Art) |
(= ich habe auch Zeiten mit übersteigerter Erregung und Hochstimmung, die Probleme verursacht) |
| Mittelgradige Depression | Wiederkehrende Depression |
Anpassungsstörung mit depressiver Stimmung |
| (mit oder ohne somatische Merkmale) | (= es gab schon früher einmal derartige Episoden) | (= ich leide erst seit einigen Wochen unter depressiver Stimmung, die eindeutig nach einem wichtigen Ereignis eintrat) |
| Schwergradige Depression | Dysthymie | körperlich bedingte Depression |
| (mit oder ohne somatische Merkmale) | (= in milderer Form geht es mir schon so seit Jahren) | (= meine Depression begann im Zusammenhang mit einer körperlichen Erkrankung oder der Einnahme eines Medikaments) |
Sind die Symptome erst vor einigen Wochen zum ersten Mal aufgetreten, so spricht man von einer einzelnen depressiven Episode. Sollten diese Symptome aber bereits früher schon einmal einige Wochen das Leben deutlich beeinträchtigt haben, besteht eine wiederkehrende oder auch rezidivierende Depression.
Treten diese Symptome immer wieder in relativ milder Form auf und dauern somit jahrelang an, werden sie als dysthyme Störungen bezeichnet.
Wechseln sich depressive Verstimmungen mit euphorischen Zuständen, in denen der Betroffene sich überaktiv, ungewöhnlich hochgestimmt und reizbar fühlt, ab, so werden diese Phasen der Hochgestimmtheit auch als hypomanisch oder manisch bezeichnet und kennzeichnen eine bipolare Störung, welche früher auch "Manisch-Depressives-Kranksein" genannt wurde.