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Fortsetzung Beispiel Frau A.

Als Erklärungshinweise für die depressive Entwick-lung von Frau A. finden wir bei ihr Einstellungen und Gedanken wie: "ich darf keine Fehler machen - ich muß noch schneller und konzentrierter arbeiten - nur wenn ich alles schaffe, bin ich ein wertvoller Mensch". Dies Einstellun-gen kenne sie bereits seit ihrer Kindheit. Auch ihre Eltern legten großen Wert auf Leistungen und sie musste sich stets bemü- hen mit den Zensuren ihrer um zwei Jahre älteren Schwester Schritt halten zu können, damit sie auch noch etwas vom Lob der Eltern bekam. Vor einigen Jahren, als sich gemein-sam mit ihrem Mann das Haus baute und gleich-zeitig zum ersten Kind schwanger war, tendierte sie dazu, sich zu über-fordern. damals sei es ihr aber gelungen, "durchzu-halten" und die ständige Überforderung zu reduzie-ren. In der zur Zeit beste-henden depressiven Episode gelinge ihr aber dieses Durchhalten immer weniger. Sie beobachtet sich hinsichtlich ihres Arbeitspensums immer genauer und kann sich dadurch noch weniger auf ihre Arbeit konzentrieren, verliert immer mehr an Leistung und eng damit verbunden an Selbstwert-gefühl. Positive Erlebnisse weichen immer mehr zurück. In den Vorder-grund treten statt dessen destruktive Gedanken wie: "Ich bin eine schlechte Mutter und Ehefrau, ver-sage mit Sicherheit auch morgen wieder. Im Freun-deskreis verderbe ich allen mit meiner Stimmung den Abend". Sie zieht sich immer mehr zurück, kann sich zu nichts mehr aufraffen und damit die grüblerischen Gedanken immer weniger unter-brechen, bis zuletzt das Bett auch tagsüber der einzige Platz zum "Leben" ist, worauf aber die Gedanken, völlig versagt zu haben, immer mehr an Gewicht bekommen.

 

 

 

 

Institut

 

Wie entstehen Depressionen?

Die neueren Forschungsergebnisse zeigen, dass fast nie ein einzelnes Ereignis eine Depression verursacht.

 

Anfälligkeit für Depressionen und belastende Lebensereignise wirken zusammen

Bei jeder Person besteht eine unterschiedliche Erkrankungsanfälligkeit aufgrund biologischer Faktoren oder familiärer Gegebenheiten. Zu den biologischen Faktoren zählt unter anderem der Hirnstoffwechsel. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Botenstoffe (Neurotransmitter) des Nervensystems, die für die Übertragung und Verarbeitung aller Informationen verantwortlich sind. Eine Veränderung des bestehenden Gleichgewichtes dieser Substanzen durch angeborene Schwächen oder durch akute oder chronische Belastungen kann zu einem Ausbruch der Depression führen.

Zu den familiären Gegebenheiten gehören Verlusterfahrungen in der Kindheit oder Entwicklungsbedingungen, die nur wenig Raum schufen, ein stabiles Selbstwertgefühl zu entwickeln.

Vereinfacht ausgedrückt entsteht eine depressive Erkrankung dann, wenn zu dieser individuellen Krankheitsanfälligkeit Ereignisse im Leben kommen, die wie "ein Schlüssel ins Schloss" der angeborenen oder erworbenen Verletzlichkeiten passen.

 

Verzerrte Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster

Die Grundlage jeder depressiven Entwicklung ist das Vorliegen verzerrter Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster. Diese Muster werden aktiviert durch die Erfahrung, den eigenen überhöhten Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Der Patient tendiert dazu, sich selbst (z.B.: "Ich habe als Vater versagt"), seine Umwelt (z.B.: "Sicher denken meine Kollegen, dass ich nicht mehr so leistungsfähig bin") und seine Zukunft (z.B.: "Ich bin sicher, dass ich in der nächsten Situation wieder versagen werde") negativ zu sehen (Kognitive Triade).

 

Die "Kognitive Triade" der Depression

 

Diese Einstellungen bewirken, dass sich der depressive Patient ständig wiederholend mit den destruktiven Gedanken beschäftigt und somit ausschließlich um Themen wie geringer Selbstwert, negative Selbstkritik sowie Hoffnungslosigkeit kreist.

 

Eine kleine Auswahl weiterer Beispiele häufiger kognitiver Verzerrungen:

      Übergeneralisierung: Ein einzelnes negatives Ereignis wird als Zeichen einer           unendlichen Serie von Niederlagen gesehen.

      Selektive Wahrnehmung ("Geistige Filter"): Nur Misserfolge zählen, positiv           Erlebtes wird als selbstverständlich ausgeblendet.

      Katastrophisieren: Denke stets an das Schlimmste; es wird sicherlich           zutreffen.

      Dichotomes Denken: Es gibt lediglich zwei Beurteilungskriterien: gut oder           schlecht.