Mag. Inge Meiringer  

 

Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)?

 

Psychische Verstörungen nach bedrohlichen Ereignissen

Posttraumatische Belastungsreaktionen treten auf, wenn Menschen ein extrem belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung (z.B. Naturkatastrophe, schwerer Verkehrsunfall, Zugsunglück, Überfall, Krieg, Folter, Vergewaltigung oder eine plötzlich auftretende lebensbedrohliche Erkrankung bzw. sehr belastende medizinische Eingriffe) erleben.

Solche Ereignisse rufen bei fast allen Opfern eine tiefe Verstörung hervor. Bei vielen Betroffenen bleibt es bei einer vorübergehenden Störung, die man als normale Reaktion auf eine "unnormale" Situation bezeichnen kann. Bei einem Teil der Traumatisierten kann es allerdings zu Spätfolgen kommen. Dann spricht man von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

 

Was ist ein Trauma?

Das Wort Trauma kommt aus dem Griechischen und heißt auf deutsch "Wunde", "Verletzung". Das Trauma trennt voneinander. Es trennt Gewebe voneinander, Bewußtsein von Gefühlen, Erinnerungsstücke vom Gedächtnis. Es unterbricht den Lauf des Alltags und die bisherige Lebensgeschichte. Das Trauma bedeutet einen massiven Einbruch in alte Gewohnheiten. Nichts ist mehr so, wie es einmal war.

In der Umgangssprache werden viele Situationen als "traumatisch" bezeichnet wie beispielsweise eine Scheidung oder den Verlust des Arbeitsplatzes. Nachdem solche Ereignisse nur bei sehr wenigen Betroffenen eine Posttraumatische Belastungsstörung auslösen, ist man dazu übergegangen den Begriff Trauma enger zu fassen und belastende Ereignisse wie Scheidung oder Kündigung eher als "kritische Lebensereignisse" zu bezeichnen. Bei einem Trauma steht meist die Bedrohung des Lebens und der körperlichen Unversehrtheit im Vordergrund. Ein traumatisches Ereignis liegt außerhalb der normalen menschlichen Erfahrung und ruft fast bei jedem eine tiefe Verstörung hervor.

Sehr entscheidend dürfte das Gefühl einer außergewöhnlichen Bedrohung sein. Voraussetzung ist, dass der Betroffenen die Situation bewusst erlebt oder beobachtet. Wenn jemand nach einem schweren Verkehrsunfall unter einer Amnesie (Verlust der Erinnerung an das Unfallgeschehen) leidet, kommt es meist nicht zur typischen posttraumatischen Belastungsreaktion. Nicht nur die eigene Gefährdung sondern auch die Beobachtung der unmittelbaren Bedrohung einer anderen Person, insbesondere von Angehörigen kann die Störung auslösen.

Was eine traumatische Situation ist, hängt letztlich immer von der subjektiven Einschätzung und Reaktion des Betroffenen ab.

 

Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung

      Andauerndes Gefühl der Gefahr, Angst

      Wiederholte unausweichliche Erinnerung

            Wiedererleben des Ereignisses in Gedächtnis und Tagträumen ungewollte, sich

                aufdrängende Bilder, Geräusche, Gerüche und Gedanken an das Ereignis

            Albträume

      Körperliche Erregung

            Erhöhte Wachsamkeit (Hypervigilanz)

            Schreckhaftigkeit

            Ständige Arlarmbereitschaft ("auf der Hut sein")

            Reizbarkeit und Wutausbrüche

            Zittern, Herzrasen, Atembeklemmung, Schwindel

            Rasche Erschöpfbarkeit

            Schlafstörungen

            Übelkeit

            Reduzierter Appetit

      Vermeidung

            Nicht an das Geschehene denken wollen

            Angstauslösenden Situationen aus dem Weg gehen

            Erhöhtes Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit (z.B. nicht mehr allein bleiben

                wollen)

      Gefühlstaubheit, Niedergeschlagenheit

            Wie in "Watte" gepackt

            Verlust von Interesse

            Gefühl der Entfremdung

            Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit

            Misstrauen und Sich-Zurückziehen

            Erhöhte Suizidgefahr

      Konzentrationsschwierigkeiten

      Schuld- und Schamgefühle

      Ärger

      Selbstwertprobleme

      Negative Sicht von der Welt

      Ungesunder Lebensstil (z.B. überhöhter Medikamenten- und Alkoholkonsum)

 

Häufigkeit und Verlauf einer Posttraumatischen Belastungsreaktion

Am häufigsten tritt die Posttraumatische Belastungsstörung nach Vergewaltigung (bei 65 % der Männer und 46 % der Frauen), nach Kampfeinsatz im Krieg, Folter und sexuellem Missbrauch in der Kindheit auf. Nach Unfällen, Brandkatastrophen und Naturkatastrophen ist die Auftretensrate nicht so hoch (bei ca. 10 % der Betroffenen).

Meistens treten Reaktionen rasch nach dem Ereignis auf. Gelegentlich kommt es zu einem verzögerten Beginn nach Wochen bis Monaten.

Alle körperlichen und seelischen Reaktionen, die im ersten halben Jahr nach dem Trauma auftreten werden als normale Reaktionen gesehen. Im ersten Jahr verschwinden die Symptome in 50 % der Fälle ohne Behandlung. Insgesamt entstehen ungefähr bei einem Viertel der Betroffenen Spätfolgen und eine behandlungsbedürftige Posttraumatische Belastungsstörung.


 

 

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Beispiel Frau S.

Frau S. (65 Jahre alt) wurde am Tag von einem Mann angegriffen, der versuchte, ihre Hand-tasche zu rauben. Sie berichtet: "Ich habe dauernd diese Bild vor mir, wie dieser Mann mit der grünen Jacke auf mich zukommt und die Hand gegen mich richtet, um mir dann die Tasche zu ent-reißen. Ich sehe immer wieder dieses Grün und erschrecke heftig, wenn jemand auf der Straße ein grünes Kleidungsstück trägt. Es ist so, wie wenn der Überfall gerade passieren würde. Dabei rast mein Herz; ich spüre die Enge in meiner Brust und bekomme fast keine Luft mehr. Ich fürchte meine Beine könnten mich nicht mehr tragen oder dass ich gleichen meinen Verstand verlieren könnte. Obwohl ich weiß, dass ich jetzt in Sicherheit bin, habe ich mehrmals in der Woche diese Angstanfälle. Und ich frage mich stän-dig, warum ausgerechnet mir das passiert ist. Sei dem Geschehen traue ich mich kaum noch allein einkaufen gehen. Wenn ich allein zu Hause bin, kontrolliere ich mehrmals, ob die Haustüre auch wirk-lich abgeschlossen ist. An der Stelle, wo das passiert ist, bin ich seither nicht mehr vorbeigegangen. Langsam bemerke ich, dass ich Interesse und Freude im Alltag verloren habe. Ich fühle mich niedergeschlagen und fange leicht zu weinen an. Alles hat sich irgendwie verändert. .

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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