Mag. Inge Meiringer  

 

Wie erklärt man sich eine Post-traumatische Belastungsstörung (PTBS)?

 

   "Die Welt wird nach dem Trauma als gefährlicher eingeschätzt als             zuvor"

Betroffene erleben nach einem Trauma Angst, selbst wenn sie bereits in Sicherheit sind. Angst bezieht sich üblicherweise auf die Wahrnehmung einer zukünftigen Bedrohung. Experten meinen, dass sich eine chronische Posttraumatische Belastungsstörung nur dann entwickelt, wenn die Betroffenen das traumatische Ereignis und seine Folgen so verarbeiten, dass sie eine schwere gegenwärtige Bedrohung wahrnehmen. Es wird angenommen, dass sie sich im Gegensatz zu Personen, die sich von einem Trauma psychisch erholen, nicht in der Lage sind, das traumatische Erlebnis als zeitbegrenztes Ereignis zu sehen. Personen mit dieser Störung sehen viel mehr globale negative Auswirkungen auf ihr gesamtes Leben: "Ich bin nirgends sicher ." "Das nächste Unglück wird bald eintreten." "Ich ziehe Unglück an." "Andere sehen mir an, dass ich ein leichtes Opfer bin." Es entsteht das Gefühl einer überschatteten Zukunft. Das Vertrauen zu sich und zur Umgebung ist grundlegend erschüttert.

Man kann davon ausgehen, dass bei den Terroranschlägen in New York das Weltbild der dort lebenden Bevölkerung massiv erschüttert wurde. Die Illusion, an einem absolut sicheren Ort zu sein, kann nicht mehr aufrecht erhalten werden.

 

   Das Trauma kann im Gedächtnis nicht richtig gespeichert werden

Die Erinnerungen an das traumatische Erlebnis wird durch das bedrohliche Ausmaß und durch das plötzliche Auftreten nur bruchstückhaft und ungeordnet im Gedächtnis gespeichert. Aus diesem Grund kann das Erlebnis willentlich nur unvollständig erinnert werden. Auf der anderen Seite kommt es ungewollt zum sich aufdrängenden Wiedererleben von Teilen des Erlebnisses. Autoscheinwerfer, Knurren des Hundes, schwarze Mütze des Täters, Brandgeruch kommen oft plötzlich und sehr lebhaft ins Bewußtsein.

Normalerweise werden Erinnerungen im Gedächtnis so abgespeichert, dass ein extrem lebhaftes Wiedererleben verhindert wird. Sie werden so verarbeitet, dass wir wissen, wann etwas gewesen ist, welche Bedeutung es für uns gehabt hat, ob es etwas mit dem Privatleben oder dem Beruf zu tun hat usw. Der Abruf erfolgt über bestimmte Suchstrategien (z.B. welche Freunde hatte ich während der Schulzeit?). Manchmal werden Ereignisse automatisch durch Auslöser abgerufen (z.B. erinnert mich unerwartet ein bestimmtes Lied an ein Rendeview oder bestimmte Düfte an Erlebnisse in der Kindheit).

Bei der Posttraumtischen Belastungsstörung ist das Ereignis nicht mit anderen Gedächtnisinhalten verbunden worden, sondern in Rohform und isoliert abgespeichert worden. Durch neutrale Reize (z.B. ähnliche Jacke wie die des Täters) wird das Erlebnis in Rohform abgerufen. Man hat die gleichen Eindrücke und Körperempfindungen, als wenn das Ereignis gerade passieren würde. A.Ehler (1999) verwendet die Metapher eines Schrankes, in den man viele Dinge ganz schnell hinein geworfen hat, so dass man die Tür nicht ganz schließen kann. Immer wieder geht die Tür auf, und es fällt etwas heraus.

Was muss man nun tun, damit die Dinge nicht mehr herausfallen? Man muss alle Dinge herausnehmen, sortieren und in den Schrank einordnen. Was das für die Therapie bedeutet, wird im nächsten Abschnitt genauer erläutert.

 

   Ungünstige Verhaltensweisen und gedankliche Einstellungen        halten die Störung aufrecht

Betroffene versuchen nun, die gegenwärtige Bedrohung und Symptome unter Kontrolle zu bringen. Jeder versucht auf seine Art, mit der Belastung am besten fertig zu werden. Meistens wählen Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung eine Strategie, die zwar verständlich ist, aber leider zur Aufrechterhaltung der Störung beiträgt.

Eine davon ist die Gedankenunterdrückung: Ungewollte Gedanken an das Trauma werden versucht, mit aller Gewalt aus dem Kopf zu drängen ("bloß nicht dran denken"), was nur ungenügend gelingt.

Naturgemäß wird auch versucht, alle Situationen zu vermeiden, die belastende Gefühle insbesondere Angst, aber auch Schuld- und Schamgefühle auslösen könnten. Betroffene fahren nicht mehr mit dem Auto, vermeiden den Ort des Unfalles oder gehen nicht mehr zur Arbeit.

Auch übertriebene Vorsichtsmaßnahmen gehören dazu wie beispielsweise nicht mehr allein außer Haus gehen zu wollen, häufiges Kontrollieren, ob die Haustüre auch wirklich abgeschlossen ist oder ständig den Rückspiegel im Auto im Auge behalten.

Durch diese Vermeidungsstrategien, die zwar unmittelbar Angst verhindern, wird nicht mehr die Erfahrung gemacht, dass keine weitere Katastrophe eintritt. Eine Verarbeitung im Gedächtnis kann erst durch zunehmende Konfrontation mit angstauslösenden Reizen erfolgen. Durch das Vermeiden vieler Aktivitäten und Situationen erhöht sich auch die Gefahr für depressive Reaktionen.


 

 

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