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Wie erklärt man eine Spezifische Phobie?
Warum also kommt es zu solchen übertriebenen Ängsten? Und warum verschwinden sie nicht einfach, wo doch die betroffene Person selbst sagt, dass ihre Angst im Prinzip "Quatsch" ist?
Um diese Frage zu beantworten, ist es sinnvoll, sich mit der Bedeutung von Angstreaktionen zu beschäftigen. Wozu haben wir Menschen überhaupt Angst, wo das doch oft unangenehm ist? Bei genauerer Betrachtung entdeckt man aber, dass das Gefühl von Angst eine ganz wichtige Funktion als eine Art "Warnmelder" vor möglichen Gefahren hat. Angst schützt also davor, sich zu wagemutig in gefährliche Situationen zu begeben und bewirkte daher in der Evolutionsgeschichte einen deutlichen Überlebensvorteil. Dazu kommt, dass es evolutionstechnisch sinnvoll war (und ist), dass Angstreaktionen in bestimmten Situationen sehr rasch erlernt werden und dann stabil bleiben (denn es ist gut, rasch zu erlernen, was lebensgefährlich oder schädlich ist und das auch nicht zu vergessen!).
Genau diese Fähigkeit zum raschen Erlernen von Angstreaktionen, die an sich sehr sinnvoll ist, spielt nun eine kritische Rolle bei der Entwicklung einer spezifischen Phobie. Man kann annehmen, dass eine Phobie eine "falsch gelernte" Angstreaktion darstellt. Verschiedene Theorien versuchen zu erklären, wie das geschehen kann:
In der Praxis müssen wir davon ausgehen, dass für die Ausformung von Phobien meist eine Kombination der genannten Faktoren - vor dem Hintergrund genetisch-evolutionärer Prinzipien - verantwortlich ist.
Entscheidend für die Aufrechterhaltung der Angst ist die Tatsache, dass ab dem Moment der Angstentwicklung die Situationen/das Objekt gemieden werden und sich die Person so nicht mehr ob der Ungefährlichkeit überzeugen kann. "Überzeugen" ist hierbei nicht als rein geistiger Prozess zu verstehen, sondern umfasst auch all die automatisiert ablaufenden Reaktionen des Körpers. Die folgende Graphik veranschaulicht diese Problematik und verdeutlicht gleichzeitig, wie ein Verlernen der Angst möglich ist:

Die Angst steigt beim Kontakt mit dem angstbesetzten Objekt/Situation. Ab einer gewissen Angststärke haben Betroffene das Gefühl, es nicht weiter aushalten zu können und flüchten aus der Situation (Vermeidung). Daraufhin lässt die Angst relativ rasch nach, aber die Person wird darin bestärkt, dass sie die Situation nur mit Flucht bewältigen kann und das erhält die Angstreaktion auch in Zukunft aufrecht. Häufig haben Betroffene auch die Erwartung, die Angst könne ins "Unermessliche" steigen und irgendwann könnten sie "durchdrehen". Dies ist jedoch nicht der Fall, wie man anhand der Graphik verfolgen kann. Würde die Person in der Situation verbleiben, würde die Angst zwar eine Weile sehr stark sein, dann aber allmählich wieder nachlassen - auch ohne Flucht (Angstverlauf bei Konfrontation).
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Beispiel Herr M. Herr M. kann sich nicht genau erinnern, wann seine Höhenangst begon-nen hat, allerdings hatte bereits sein Vater Schwie-rigkeiten in diesem Be-reich. Und bei ihm sei es dann über die Jahre hin-weg immer schlimmer geworden. Er versucht immer wieder, seine Höhenangst zu überwin-den, indem er probiert, auf hohe Gebäude zu steigen. Aber immer wenn bei zunehmender Höhe die Angst stärker wird, hat er den Eindruck, es nicht aushalten zu können und geht die Treppen wieder hinunter. "Es ist einfach nicht möglich." ist sein Fazit aus diesen Ver-suchen. "Nur indem ich dann hinunter gehe, kann ich diesen schrecklichen Panikzustand beenden". Auf diese Weise kann kein Verlernen der Angst erfol-gen, denn Herr M. macht nicht die Erfahrung, dass ihm in der Höhe tatsäch-lich nichts zustößt und sich die körperlichen Reaktionen allmählich beruhigen. |