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Anzahl von betroffenen Personen mit psychischen Problemen in 100
Die Ergebnisse von Untersuchungen zur Häufigkeit psychischer Störungen sind oft unterschiedlich. Diese Zahlen sind ungefähre Richtwerte.
| Störung |
in
100
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Depression
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12-26*
|
Angst:
Panikstörung
|
1
|
| Angst: Soziale Angst |
1
- 2
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Angst:
Zwangsstörung
|
2
|
Angst
nach einem Trauma
|
8*
|
Phobien
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4
- 12
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Alkoholabhängigkeit
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14*
|
Drogenabhängigkeit
|
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Borderline-Störungen
|
1
- 5
|
Schizophrenie
|
1*
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| Bipolare Störung ("Manie") |
0.5
|
| Schlafstörungen |
25
|
| Anorexie ("Magersucht") |
1**
|
| Bulimie ("Ess-/Brechsucht") |
3**
|
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3
- 5
|
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3
- 4
|
Die Zahlen stammen aus Reinecker (1998) und Petermann (2000) und beziehen sich auf das Auftreten in einem Zeitraum von 6 Monaten bis 1 Jahr bzw. bei * auf das Auftreten im Verlauf des gesamten Lebens. ** Die Zahl bezieht sich ausschließlich auf junge Frauen bis ca. 30 Jahre.
Menschen leiden häufig an mehreren Problemen gleichzeitig. Nach neueren Untersuchungen liegt die Zahl der Personen, die dringend psychotherapeutische Behandlung benötigen würden, mindestens bei 10 von 100. In manchen Studien wurde bei bis zu einem Viertel der Bevölkerung deutliches bis starkes psychisches Leiden festgestellt.
Weitere, weniger bekannte Beispiele für Störungen
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Autismus Unter Autismus versteht man eine manchmal sehr schwere Störung der Entwicklung von Kindern, die sich vor allem in der Sprache, im sozialen Kontakt oder im Spielen zeigt. Autistische Kinder vermeiden häufig Blickkontakt, Körperkontakt ist ihnen unangenehm oder sie vermeiden ihn ganz. In Gesprächen wirken ihr Gesichtsausdruck oder ihre Gesten eigenartig oder nicht passend. Sie haben in der Regel eine deutlich verzögerte Sprachentwicklung und sind in ihrer Sprache auffällig (z.B. neue Wortschöpfungen, Schwierigkeiten im Ablauf von Fragen und Antworten). Diese Kinder haben auch große Schwierigkeiten, mit Gleichaltrigen Beziehungen aufzunehmen bzw. gemeinsame Interessen zu entwickeln bzw. gemeinsame Aktivitäten aufzunehmen (obwohl sie von ihrer geistigen Leistungsfähigkeit her ohne weiteres dazu in der Lage wären). Autistische Kinder können sich kaum oder sehr schwer in die Welt einer anderen Person hineinfühlen, deren Gefühle verstehen. Daher können sie nicht spontan Freude, Interesse oder Mitgefühl mit anderen Personen teilen. Autistische Kinder haben kein Interesse an Rollenspielen (z.B. Indianer-Spielen oder Familie spielen), sondern beschäftigen sich manchmal exzessiv mit bestimmten, Themen (z.B. Essen, Zahlen, Börsenkurse, Tiere etc.), sie hängen manchmal zwanghaft an bestimmten Ritualen, Abläufen oder Anordnungen, die nicht gestört werden dürfen. |
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Multiple Persönlichkeits-störung Die MPS ist ein Störungsbild, das in der Wissenschaft relativ umstritten ist. Während viele dramatische Schilderungen von Betroffenen und Bücher zur MPS existieren, bestreiten eine Reihe von Forschern, dass es das Phänomen einer "gespaltenen Persönlichkeit" überhaupt als solches gibt. Unter einer MPS versteht man das Vorhanden-sein von zwei oder mehreren Teilpersönlichkeiten in einer einzigen Person. Dabei ist es häufig der Fall, dass die einzelnen Teilpersönlichkeiten voneinander nichts wissen. Sie wechseln sich in der Kontrolle des Verhaltens der Person ab, mal kontrolliert die eine Teilpersönlichkeit, mal die andere, was die Person als Nächstes tut. Entsprechend haben die einzelnen Teilpersönlichkeiten häufig "Erinnerungslücken" für die übrige Zeit. Die einzelnen Teilpersönlichkeiten können eine jeweils eigene Lebensgeschichte, einen eigenen Namen und verschiedene Charaktereigenschaften, sogar verschiedene Körperhaltungen, Stimmlage und Gewohnheiten haben. |
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Tic-Störungen und Tourette-Syndrom Tics sind plötzliche, schnelle, sich wiederholende, unrhythmische und immer wieder gleich ablaufende motorische Bewegungen (z.B. Blinzeln, Muskelzucken im Gesicht, Schulterzucken) oder Lautäußerungen (z.B. Räuspern, kurze hohe Schreie, Grunzen, Schnalzen, Bellen). Sie werden von den Betroffenen als unvermeidbar empfunden, können jedoch für eine gewisse Zeit unterdrückt werden. Neben solchen sog. "einfachen Tics" können Tics auch komplexe Formen annehmen. Komplexe vokale Tics umfassen etwa zusammenhangloses Wiederholen von Worten oder Sätzen, Verwenden von obszönen Wörtern, Wiederholen von eigenen Lauten oder Wörtern bzw. des zuletzt gehörten Lautes, Wortes oder Satzes. Ein komplexer motorischer Tic wäre etwa das unwillkürliche Nachahmen der Bewegungen einer anderen Person. Vom Tourette-Syndrom spricht man, wenn eine Person an mehreren motorischen Tics und wenigstens einem vokalen Tic leidet. Die Betroffenen sind durch ihr unwillkürliches, sehr auffälliges Verhalten erheblich beeinträchtigt. |
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Trichotillomanie Personen, die an Trichotillomanie leiden, reißen sich wiederholt das eigene Haar aus, was deutlichen Haarausfall zur Folge hat. Grundsätzlich kann jede behaarte Körperpartie betroffen sein, am häufigsten sind jedoch Haupthaar, Augenbrauen und Wimpern betroffen. Verstärkt tritt dieses Verhalten in Zeiten von Belastung, aber auch von Entspannung und Ablenkung auf. Häufig geht dem Ausreißen ein Gefühl von Anspannung voraus bzw. tritt auf, wenn man versucht, das Verhalten zu unterdrücken. Während des Haareausreißens erleben die Betroffenen ein Gefühl der Befriedigung, des Vergnügens und der Entspannung. |
Was sind psychische Störungen?
Jeder Mensch erlebt immer wieder Belastungen, die seine Lebensqualität vorübergehend beeinträchtigen. Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, Schwierigkeiten in der Beziehung, Verlusterlebnisse, Erziehungsprobleme und damit verbundene Stimmungsschwankungen sind eher die Regel, denn die Ausnahme.
Bei einem großen Teil der belasteten Personen bleiben diese Schwierigkeiten in einem erträglichen Rahmen. Diesen Personen gelingt es, die Belastungen zu bewältigen und Wohlbefinden wieder herzustellen. So erleben wir alle immer wieder mal deprimierte, niedergeschlagene Stimmungen, die jedoch für die Mehrheit der Personen nicht sehr tief sind bzw. nicht sehr lange andauern.
Ein Teil der Betroffenen ist jedoch durch zu starke Belastungen überlastet. Die Bewältigungskapazität einer Person ist nicht mehr ausreichend, um mit den Schwierigkeiten fertig zu werden. Belastungen führen nicht automatisch zu psychischen Symptomen wie Depression oder Angst. Erst bei Überforderung kommt es zu sichtbaren Auswirkungen. Psychische Störungen können die Folge sein.
Psychische Störungen werden erst dann als solche bezeichnet, wenn die Person oder deren Umwelt durch die Störung deutlich in ihrem sozialen, beruflichen und privaten Leben eingeschränkt ist.
So gibt es viele Menschen, die eine gewisse Angst vor bestimmten Tieren, Höhen oder eine gewisse Angst vor öffentlichen Auftritten haben (z.B. Reden halten). Diese Angst ist jedoch nicht so stark ausgeprägt, dass sie zu einer deutlichen Beeinträchtigung des täglichen Lebens führt. In diesem Fall würde man von keiner Störung sprechen. Wenn eine Person jedoch beruflich häufig in der Öffentlichkeit stehen muss (z.B. ein Lehrer) und plötzlich große Angst vor den Unterrichtsstunden bekommt, die ihn in seinem Beruf deutlich einschränkt, würde man dies als eine Sozialen Phobie (siehe Angststörungen) betrachten. Auch bei deutlichen Einschränkungen im privaten Bereich würde man von einer Störung sprechen, wenn die Angst zu Rückzug von Hobbies und Interessen führt und die Person deutlich darunter leidet.
Im Folgenden finden Sie einen kurzen Überblick über häufig vorkommende psychische Störungen. Dieser Überblick soll Ihnen helfen, zunächst einmal eine grobe Zuordnung Ihrer Schwierigkeiten (bzw. der Schwierigkeiten Ihrer Angehörigen) treffen zu können. Hier finden Sie auch einige Zahlen zur Häufigkeit des Auftretens. Sie werden überrascht sein, wie viele Menschen an psychischen Störungen leiden. Die einzelnen Störungsbilder werden dann auf den entsprechenden Seiten genauer dargestellt.
Bitte beachten Sie, dass Menschen nicht nur an einer einzelnen Störung leiden können. So kommen etwa Depressionen und Angststörungen sehr häufig gemeinsam vor. In diesem Fall ist es sinnvoll, sowohl bei Depressionen als auch bei Angststörungen nachzulesen, um Informationen über geeignete psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen zu bekommen.
Bitte beachten Sie auch, dass eine sinnvolle Diagnose nur von einem Experten gestellt werden kann und soll (d.h. Psychotherapeut, Psychologe, Psychiater).
Die dargestellten Informationen stammen aus den beiden gebräuchlichen internationalen Diagnosesystemen (ICD-10 und DSM-IV).
Angststörungen
Angst kommt bei vielen verschiedenen Störungsbildern vor. Angst ist ein häufiges Problem bei Depressionen, Schizophrenie, Borderline-Störungen, Schmerzen etc. In vielen Fällen jedoch ist die Angst vor bestimmten Situationen, Objekten oder Zuständen das vorrangige Problem einer Person. Hier spricht man von einer "Angststörung".
Bestimmte Ängste sind zwar sehr häufig, aber beeinträchtigen eine Person manchmal nur in geringerem Ausmaß. Nur bei sehr starker Belastung suchen Betroffene therapeutische Hilfe (z.B. bei Angst vor Schlangen oder Spinnen). Andere Ängste wie Angstanfälle bei einer Panikstörung sind wiederum nicht selten verbunden mit Todesangst. Diese PatientInnen haben einen so hohen Leidensdruck, dass sie meistens sehr rasch Hilfe suchen, allerdings erst nach vielen Stationen und langen Irrwegen eine effektive Behandlung bekommen. Ängste im Zusammenhang mit belastenden, zwanghaft immer wiederkehrenden Gedanken sind ein weiteres Beispiel für eine Angststörung. Schließlich ist Angst auch ein maßgebliches Problem im Anschluss an das Erleben traumatischer Ereignisse wie Naturkatastrophen (z.B. die Lawinenkatastrophe in Galtür), technischen Katastrophen (z.B. Kaprun) und Gewalt (Krieg, Vergewaltigung, Überfälle und Geiselnahmen).
Wenn Sie eine genauere Beschreibung der verschiedenen Angststörungen lesen möchten, klicken Sie hier.
Depression
Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Personen die an einer depressiven Störung leiden, erleben wenigstens über die Dauer von zwei Wochen niedergeschlagene und bedrückte Stimmung, sie verlieren je nach Stärke der depressiven Episode das Interesse an vielen Dingen, die ihnen früher Spaß gemacht haben, leiden an Antriebslosigkeit (d.h. an großen Schwierigkeiten, sich zu Aktivitäten aufzuraffen), Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit, Schlafstörungen, Gefühlen der Wertlosigkeit und Schuld.
Treten depressive Phasen wiederholt auf und erleben die Betroffenen in den Zwischenphasen Zeiträume ohne depressive Verstimmung, spricht man von einer wiederkehrenden depressiven Störung.
Neben depressiven Stimmungen erlebt ein kleiner Teil der betroffenen Personen auch Phasen einer stark übertriebenen positiven oder auch gereizten Stimmung. Diese Personen empfinden stark gesteigerten Antrieb und deutlich vermindertes Schlafbedürfnis, sie reden sehr viel und können nur mehr schwer bei einer Sache bleiben. Diese Stimmung ist also deutlich übertrieben und führt häufig zu einer völligen Unfähigkeit, berufliche und soziale Funktionen aufrecht zu erhalten. In diesem Fall spricht man von einer Manie bzw. in Verbindung mit depressiven Episoden von einer bipolaren Störung (früher "Manisch-depressives Krankheitsbild").
Wenn Sie eine genauere Beschreibung der Depression und anderen "Affektiven Störungen" lesen möchten, klicken Sie hier.
Essstörungen
Essstörungen betreffen vor allem jugendliche und junge erwachsene Frauen. Nur selten sind Männer davon betroffen (1 in 100), wenn auch bei den Männern in den letzten Jahren eine Zunahme der Häufigkeit beobachtet wurde. Die betroffenen Personen leiden unter sehr großer Angst, an Gewicht zuzunehmen. Daher versuchen sie (häufig auf mehrfache Weise), das Gewicht zu halten und zu reduzieren. Bei einer Anorexia nervosa ("Magersucht") wird die Gewichtsreduktion in erster Linie durch stark reduziertes Essen (manchmal verbunden mit exzessivem Kalorienverbrauch durch Sport) erreicht. Dieses Verhalten führt häufig zu deutlicher Unterernährung mit starken Stimmungsschwankungen und manchmal massiven gesundheitlichen Schäden. Von einer Bulimia nervosa ("Ess-/Brechsucht") spricht man, wenn die Kalorienaufnahme durch anschließendes Erbrechen, Abführmittel oder Appetitzügler reduziert wird. Gezügeltes Essen ist hier häufig unterbrochen von starken Essanfällen mit großer Nahrungsaufnahme.
Wenn Sie eine genauere Beschreibung von Anorexie und Bulimie lesen möchten, klicken Sie hier.
Alkohol-/Drogen-/Medikamentenabhängigkeit
Viele Menschen denken, dass Drogenabhängigkeit in Österreich ein großes gesundheitspolitisches Problem darstellt (diese Personen sind auch tatsächlich häufig schwer beeinträchtigt). Angesichts der Zahlen ist aber völlig klar, dass Drogenabhängigkeit im Vergleich zur Alkoholabhängigkeit (gesundheitspolitisch) nur eine geringe Bedeutung hat. Bis zu einem Viertel der Bevölkerung ist im Verlauf des Lebens einmal alkoholabhängig! Die schweren gesundheitlichen und psychischen Folgen verursachen viel Leid für Betroffene und Angehörige und enorme Kosten für die Gesundheitsversorgung.
Man unterscheidet den Missbrauch von Substanzen wie Alkohol und Drogen von der Substanzabhängigkeit. Von Missbrauch (der noch häufiger vorkommt) spricht man bei Konsum in Situationen, die eigentlich einen klaren Kopf erfordern würden: Arbeit und Schule (auch ein starker Kater am nächsten Arbeitstag zählt hier als Missbrauch, wenn die Arbeitsleistung dadurch eingeschränkt ist), Autofahren, Bedienen von Maschinen. Von Missbrauch spricht man auch, wenn durch den fortgesetzten Konsum immer wieder zwischenmenschliche Probleme auftreten (z.B. Streitereien und körperliche Auseinandersetzungen), der Konsum aber nicht aufgegeben wird.
Abhängigkeit von einer Substanz ist vorhanden, wenn ein starkes psychisches Verlangen nach der Substanz vorhanden ist, Entzugssymptome spürbar sind, sich eine deutliche Toleranz für die Substanz entwickelt (Man muss immer mehr trinken, ob den gleichen betrunkenen Zustand zu erreichen). Häufig wird versucht, den Konsum zu reduzieren, was nicht bzw. nur kurz gelingt. Es wird häufiger und in größeren Mengen konsumiert als beabsichtigt, man verbringt viel Zeit mit dem Konsum oder braucht viel Zeit, um sich vom Konsum zu erholen (Kater). Sehr häufig werden auch wichtige soziale, berufliche und Freizeitaktivitäten reduziert oder aufgegeben.
Wenn Sie eine genauere Beschreibung von Missbrauch und Abhängigkeit von Alkohol, Drogen und Medikamenten lesen möchten, klicken Sie hier.
Störungen
bei Kindern und Jugendlichen
Auch bei Kindern und Jugendlichen können bereits beschriebene Störungen wie Panikstörung, Depression etc. auftreten. Gleichzeitig gibt es jedoch einige Störungsbilder, die ihren Beginn ganz besonders typisch bereits im Kindesalter haben. Zu diesen Störungen zählen etwa die "einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung" (Hyperaktivität), "Trennungsangst", Lernstörungen (z.B. Rechenstörungen oder Lese-/Rechtschreibschwäche) oder Einnässen (Enuresis).
Von Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (Hyperaktivität) spricht man, wenn Kinder erstens eine deutliche Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit bei Tätigkeiten zeigen. Sie brechen Aufgaben vorzeitig ab bzw. beenden sie nicht. Sie können sich nicht auf Wichtiges konzentrieren, sondern werden von unwichtigen Dingen leicht abgelenkt. Zweitens sind die Kinder sehr impulsiv, d.h. sie überlegen nicht lange, bevor sie eine Tätigkeit beginnen oder können nicht warten bis eine Aufgabe vollständig erklärt wurde. Sie haben auch deutliche Schwierigkeiten, Bedürfnisse aufzuschieben. Schließlich sind sie drittens "hyperaktiv". Hyperaktivität zeigt sich in exzessiver Ruhelosigkeit besonders in Situationen, die Ruhe verlangen. Vor allem dort, wo sich Kinder besonders gut kontrollieren sollen (z.B. in der Schule) sind desorganisierte und überschießende Aktionen häufig.
Ein zweites häufiges Problem vor allem im Kindesalter sind Angststörungen wie soziale Ängstlichkeit oder Trennungsangst. Trennungsangst ist bei kleinen Kindern bis zu einem gewissen Grad normal und auch sinnvoll. Kinder mit einer Störung erleben jedoch unrealistische und anhaltende Besorgnis, dass den Bezugspersonen (in der Regel den Eltern) etwas Schlimmes zustossen könnte (z.B. Unfall), dass die Eltern weggehen könnten oder dass das Kind von den Eltern getrennt werden könnte (z.B. Entführung). Als Folge dieser Angst haben die Kinder häufig große Schwierigkeiten, wenn sie abends ins Bett oder am Morgen in die Schule gehen sollen. Sie vermeiden es, tagsüber allein zu Hause zu sein oder auswärts zu schlafen. Manchmal treten auch erhebliche körperliche Symptome von Angst auf (Erbrechen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Übelkeit).
Wenn Sie eine genauere Beschreibung von Störungen im Kindes- und Jugendalter lesen möchten, klicken Sie hier.
Borderline-Störung
Die Borderline-Störung ist eine sehr schwere Beeinträchtigung des emotionalen Erlebens und der zwischenmenschlichen Beziehungen. Menschen mit diesen Schwierigkeiten sind im Hinblick auf ihr Gefühlsleben sehr wechselhaft. Oft innerhalb weniger Minuten oder Stunden ändert sich der Gefühlszustand einer Person. Gefühle werden außerdem äußerst stark erlebt, die dadurch entstehende Belastung ist oft kaum erträglich. Die betrifft nicht nur negative Emotionen wie Angst, Traurigkeit und Depression, Ärger oder Schuldgefühle, sondern auch Unwirklichkeitsgefühle und Gefühle der Leere oder Langeweile. Aber auch positive Gefühle wie Liebe und Freude werden stärker erlebt. Diese starke Emotionalität ist für das Umfeld häufig nicht nachzuvollziehen und führt zu Konflikten.
Personen mit einer Borderline-Störung haben daher in der Regel dramatische und wechselhafte zwischenmenschliche Beziehungen, die einmal sehr eng und positiv erlebt werden, innerhalb kürzester Zeit jedoch in Ärger und Abwertung umschlagen können. Ein drohendes Verlassen-werden wird um jeden Preis versucht zu verhindern. Das Leiden von Betroffenen und auch Angehörigen bei dieser Störung ist sehr hoch. Nicht selten haben diese Personen bereits einen Selbstmordversuch hinter sich. Ankündigungen von Selbstmord und Selbstverletzungen (z.B. Schnittwunden, Verbrennungen) sind häufig.
Wenn Sie eine genauere Beschreibung der Borderline-Störung lesen möchten, klicken Sie hier.
Schlafstörungen
Unter Schlafstörungen leiden bis zu einem Viertel der Bevölkerung. Dabei spricht man nicht automatisch von einer Störung, wenn man unregelmäßig oder manchmal schlecht schläft. Vielmehr muss durch die Störung eine deutliche Beeinträchtigung oder deutlicher Leidensdruck verursacht werden. Hier gibt es verschiedene Formen von Schlafstörungen.
Unter Insomnie (kein Schlaf) versteht man Schlaflosigkeit an wenigstens 3 Tagen pro Woche über wenigstens einen Monat hinweg. Personen, die an Insomnie leiden, klagen über Einschlafschwierigkeiten, Durchschlafstörungen oder eine schlechte Schlafqualität. Genauso gibt es jedoch Personen, die an einer Hypersomnie (zuviel Schlaf) leiden. Sie haben keine Probleme zu schlafen, sondern vielmehr Probleme, wach zu bleiben. Dieses Problem tritt allerdings fast täglich über einen Monat hinweg oder in mehrfachen kürzeren Episoden auf und verursacht deutlichen Leidensdruck. Eine bekannte Schlafstörung ist weiterhin auch das Schlafwandeln (Somnabulismus). Hier verlassen die betroffenen Personen schlafend mehrfach das Bett und gehen mehrere Minuten bis zu einer halben Stunde umher. Während dieser Phase reagieren die Betroffenen praktisch nicht auf Versuche der Kontaktaufnahme, sie können sich nach dem Erwachen auch nicht daran erinnern, was passiert ist. Schließlich wird als Pavor nocturnus das wiederholte Aufwachen auf dem Schlaf mit einem Panikschrei bezeichnet. Die Personen erleben unmittelbar während und kurz nach dem Aufwachen heftige Angst, starkes Herzklopfen und -rasen, schnelle Atmung und Schweißausbruch.
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Schizophrenie
Schizophrenie ist eine Störung, deren Namen viele Menschen kennen, ohne eigentlich zu wissen, worum es sich handelt. Das häufigste Missverständnis betrifft die Annahme einer "gespaltenen Persönlichkeit" bei der Schizophrenie. Diese gespaltene Persönlichkeit ist jedoch vielmehr bei der sog. "Multiplen Persönlichkeitsstörung" zu finden (siehe links schwarzer Kasten).
Von einer Schizophrenie spricht man, wenn über einen Zeitraum von wenigstens einem Monat während der meisten Zeit eines der folgenden Anzeichen vorhanden ist: Gedankenlautwerden (andere können meine Gedanken hören), Gedankeneingebung, Gedankenentzug (andere können mir meine Gedanken nehmen), Gedankenausbreitung. Kontrollwahn, Beeinflussungswahn (mein Körper oder meine Handlungen folgen einer äußeren Macht), Stimmenhören, anhaltender sog. "bizarrer" Wahn (z.B. unerschütterliche Überzeugung, das Wetter kontrollieren zu können oder mit Außerirdischen in Verbindung zu stehen). Man kann sich unschwer vorstellen, dass Personen mit der Diagnose "Schizophrenie" häufig extrem unter ihren Symptomen leiden.
Von Schizophrenie spricht man auch, wenn mindestens zwei der folgenden Anzeichen über die meiste Zeit von wenigstens einem Monat vorhanden sind: Anhaltende Halluzinationen jeder Sinnesmodalität (d.h. Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen), Wortneubildungen, Gedankenabreißen, Zerfahrenheit (d.h. das Reden einer Person wird unverständlich und eigenartig), "katatone" Symptome (z.B. das Einnehmen von eigenartigen Haltungen über längere Zeit; völlige Erstarrung und Steifheit; "wächserne Biegsamkeit", d.h. die Person bleibt von sich aus in einer bestimmten Position, lässt sich aber in ihrer Haltung von anderen "formen"; eine Person wehrt sich gegen eine Haltungsänderung; oder sie hört über längere Zeiträume zu sprechen auf). Sog. "Negative" Symptome wie auffällige Emotionslosigkeit, sehr einsilbige Sprache oder unangemessene Emotionen (z.B. Traurigkeit in lustigen Situationen und umgekehrt).
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Psychosomatische
Beschwerden und "Verhaltensmedizin"
Sehr häufig erleben Personen Schmerzen, die ein Arzt nicht eindeutig erklären kann. Entweder fehlt ein klarer Befund überhaupt, oder die Schmerzen sind sehr viel stärker bzw. stärker beeinträchtigend, als es aufgrund der körperlichen Ursache zu erwarten wäre. Außerdem sind viele chronische Krankheiten mit Schmerzen verbunden, die unterschiedlich stark sein können. Rheumatische Erkrankungen oder Krebs sind Beispiele für diese häufig langjährigen Beeinträchtigungen mit einer klaren körperlichen Ursache. Sowohl bei Beeinträchtigungen durch körperliche Erkrankungen als auch bei "psychosomatischen" Beschwerden können psychotherapeutische Maßnahmen hilfreich sein.
Die psychisch verursachten Störungen mit körperlichen Beschwerden werden als somatoforme Störungen bezeichnet (besser bekannt ist die frühere Bezeichnung als psychosomatischen Beschwerden). Von einer Somatisierungsstörung spricht man etwa, wenn eine Person über einen Zeitraum von 2 Jahren anhaltend über viele und wechselnde körperliche Beschwerden klagt, die nicht durch eine körperliche Krankheit erklärt werden können. Die ständige Sorge um die Symptome führt einer deutlichen Beeinträchtigung. Die betroffenen Personen lassen sich wiederholt medizinisch untersuchen und/oder versuchen, sich mit Hausmitteln und Laienheilern selbst zu helfen. Beispiele für auftretende körperliche Anzeichen sind: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen von Speisen, häufiger Durchfall, Atemlosigkeit, Brustschmerzen, Klagen über häufiges Urinieren, unangenehme Empfindungen im Genitalbereich, Schmerzen in Gliedern und Gelenken, unangenehme Taubheit. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung äußert sich in schweren und belastenden Schmerzen in einem Körperteil über mindestens 6 Monate, die nicht (oder nicht ausreichend) durch eine körperliche Störung erklärt werden können.
Ein weiterer sehr großer Bereich, in dem verhaltenstherapeutische Behandlungsmethoden eingesetzt werden, umfasst Maßnahmen, die im Umgang mit körperlichen Erkrankungen und Beeinträchtigungen eingesetzt werden. Diesen großen Bereich nennt man "Verhaltensmedizin". Verhaltenstherapie findet hier z.B. Anwendung im Umgang mit Kopfschmerzen und Migräne, Sexuellen Funktionsstörungen, Chronischen entzündlichen Darmerkrankungen, Diabetes, Asthma, Krebserkrankungen, Schlaganfällen, Herzinfarkten, Rheuma, Arthritis und mehr. Bei diesen und anderen Erkrankungen und Beeinträchtigungen kann sich das Verhalten einer Person sehr stark auf den Krankheitsverlauf auswirken. Entsprechend wichtig ist es für die Gesundheit einer Person, hier auch (psycho)therapeutische Unterstützung zu bekommen.
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