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Dr. Mäni Kogler |
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Sexuelle Funktionsstörungen
Klienten kommen mit höchst unterschiedlichen Beschwerden zur Sexualberatung bzw. Sexualtherapie, wie z.B. Lust-, Erektions- oder Orgasmusprobleme, Sexualität im Alter, Selbstbefriedigung, Transsexualität, Erfahrungen mit sexueller Gewalt, Homosexualität u.a.m.
In der Sexualberatung bzw. -therapie werden im ersten Schritt spezifische Informationen gegeben. Je nach Art der Fragestellung oder des Problems sind es Informationen über partnerschaftliche, anatomische und physiologische Faktoren, die einen Bezug zur vorgetragenen Problematik haben. Typische Ursachen von sexuellen Problemen werden besprochen und eventuelle sexuelle Mythen und Normen aufgezeigt. Typische falsche Meinungen über Sexualität z.B. "Eine gute Beziehung führt zu einer befriedigenden Sexualität", "Frauen sind weniger an Sex interessiert als Männer", "Die Sexualität der Frau ist komplex, die Sexualität des Mannes einfach" oder "Normale Paare machen zwei- bis dreimal in der Woche Sex". Diese Vorstellungen werden hinterfragt und gemeinsam mit den Klienten bearbeitet, damit mögliche negative Einflüsse dieser Fehlmeinungen aufgehoben werden können.
Zur Bewältigung der speziellen sexuellen Probleme werden Vorschläge für Verhaltensänderungen erarbeitet und Wege aufgezeigt, wie sie geübt und durchgeführt werden können. In der Therapie spielt meist die Paardynamik eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang zeigen VerhaltenstherapeutInnen , wie die Patienten Ängste abbauen, die soziale Kompetenz stärken, Traumata bearbeiten und Paarkonflikte lösen können. Das Vorgehen ist abgestimmt auf das spezifische Problem des Klienten und es werden Kommunikations- und Problemlöseverfahren, Körperübungen, Entspannungstechniken, Phantasieübungen und kognitive Techniken u.a. je nach dem geschilderten Problem der Einzelperson oder des Paares eingesetzt.
Hier wird im speziellen auf "sexuelle Funktionsstörungen" eingegangen. Es sind die Probleme, die in der Therapie am häufigsten vorkommen.
Allgemeine Informationen über Sexualität
"Ochs tut es, Kuh tut es, auch das liebe Känguru tut es, du tu es, sei einmal verliebt". Jede(r) oder fast jede(r) tut es ... und fast alle fragen sich, ob das denn richtig oder normal sei, was sie da machen.
In der Sexualität wirken sich persönliche Meinungen und Einstellungen sehr konkret aus. - "Ich hab meist keine Lust auf Sex, wenn es viel ist, schlafen wir zweimal im Monat miteinander"; "Ich bin meinem Mann nicht immer treu, ist das bei anderen Frauen auch so?"; "Ich besitze kein Sexspielzeug, und ich glaube, andere Männer können öfter als ich, und mir gelingt es nie, Frauen in einer Disco aufzureißen"; "Ich bin seit 20 Jahren auf der Suche nach meiner großen Liebe, finde sie aber nicht" u.a.
Die Menschen heute glauben, Vieles oder sogar Alles über Sex zu wissen, aber sie sind gleichzeitig enorm verunsichert, denn in Illustrierten und Filmen wird gewöhnlich nur ein sehr kleiner Teil aus dem breitem Spektrum menschlicher Sexualität gezeigt, das heißt, es werden Mythen und Fehlvorstellungen über Sexualität produziert. Immer dann, wenn nur ein kleiner Teil der Wirklichkeit für das Ganze ausgegeben wird, kommt es zu dogmatischen und einseitigen Vorstellungen.
Der Sexmythos hat sich in den letzten Jahrzehnten umgedreht. Vor den 50-er Jahren war das Thema Sex in der Öffentlichkeit tabu, heute ist das Thema Sex allgegenwärtig. Es ist beinahe schon selbstverständlich, in talk-shows über multiple Orgasmen, Seitensprünge oder sado-masochistische Praktiken zu sprechen.
Die permanente Anwesenheit von Sex setzt viele unter Druck, und zwar gedanklich, gefühlsmäßig und in den Erwartungen. Nachdem in den Medien hauptsächlich die Hochleistungs- oder die Spezialitäten-Sexualität dargestellt wird, sind viele, die sogenannten normalen Sex haben, verunsichert. Sexuelle Mythen (wie z.B. "Es ist kein richtiger Mann, der seiner Partnerin keinen vaginalen Orgasmus bescheren kann", "Sexualität bedeutet immer Geschlechtsverkehr und Ejakulation", "Frauen sollen mehrfache Orgasmen haben" oder "der gleichzeitige Orgasmus ist das höchste Glück in einer Partnerschaft"), verunsichern Mann und Frau gehörig.
Sex ist in allen Medien präsent. Und dennoch tun sich viele Menschen schwer, über die eigene Sexualität, bzw. die eigenen sexuellen Bedürfnisse zu sprechen. Jeder Mensch hat seine persönlichen Vorstellungen über Sexualität. Es kommt zwischen Menschen häufig zu Problemen in den sexuellen Beziehungen, weil jede(r) erwartet, dass ihre / seine Meinungen die (einzig) richtigen über Sex sind.
Die vielen Seiten der Sexualität - Sexualität kennt keine "Normalität"
Sexualität ist ein menschliches Grundbedürfnis. In ihr kommen die gesamte Erfahrung und Beziehungsgeschichte eines Menschen zum Ausdruck. Sexualität vollzieht sich - real oder in der Phantasie - in Beziehungen zu einem anderen Menschen. Sexualität ist auf kein bestimmtes Lebensalter begrenzt. Die Sexualität des Menschen verändert sich im Laufe des Lebens von der Geburt bis zum Tode. Die sexuelle Entwicklung ist ein lebenslanger Prozess, der von spezifisch-sexuellen Erfahrungen, vom partnerschaftlichen Kontext und der allgemeinen persönlichen Entwicklung beeinflusst wird.
Wer Sexualität als natürlich und positiv bejaht, muss auch verstehen, dass sexuelle Aktivität nicht unbedingt eine Voraussetzung für psychische Gesundheit darstellt. Wenig sexuelles Interesse ist per se kein Problem. Damit es zum Problem wird, muss der Betroffene und/oder der Partner das geringe oder mangelnde Interesse als Problem empfinden. Denn unerfüllte sexuelle Erwartungen können die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Sexualität hat viele Seiten, biologische und gesellschaftliche, partnerschaftliche und individuelle, positive und problematische.
Sexualität erleben wir als Mann oder Frau, als Geschlechtswesen. In ihr drückt sich die individuelle Geschichte als Mann oder Frau, die Erfahrung eines Menschen mit seiner Männlichkeit oder Weiblichkeit aus. Die sexuelle Zufriedenheit in der Partnerschaft hängt ab von der allgemeinen partnerschaftlichen Zufriedenheit, den Erwartungen an Sexualität und der Fähigkeit der Partner, sich aufeinander einzustellen, ohne gegenseitigen Druck auszuüben. Eine befriedigende Sexualität wird getragen von einem befriedigenden Körpererleben und erregenden Empfindungen in den Genitalien während sexueller Aktivität. Der äußere Eindruck gestattet nach unserem Eindruck wenig Rückschlüsse auf das Erleben der Sexualität. Körperliche Reaktionen sind nicht mit sexuellem Erleben gleichzusetzen.
Ein erheblicher Teil der Frauen und Männer, die ihre Sexualität als befriedigend erleben, kennen sexuelle Probleme. Entscheidend für die sexuelle Zufriedenheit ist die Verarbeitung von Problemen.
Sexuelle Funktionsstörungen
Viele Menschen leiden an sogenannten funktionellen Sexualstörungen. Diese werden definiert als Beeinträchtigungen im sexuellen Verhalten, Erleben und in den physiologischen Reaktionsweisen. Sie behindern ein befriedigendes sexuelles Erleben, obwohl die organischen Voraussetzungen dafür gegeben sind.
Die häufigsten Sexualstörungen des Mannes sind Erektionsstörungen und Probleme mit der Kontrolle des Samenergusses. Frauen leiden häufig unter Erregungsproblemen, Orgasmusproblemen oder unter Scheidenkrampf. Diese Störungen sind oft begleitet von Problemen, Lust zu empfinden und/oder sich zu entspannen. In den letzten Jahren berichten immer mehr Personen von Störungen der sexuellen Lust. Sie sind vielfältig und reichen von Unlust und Apathie bis hin zu ausgeprägten Ekel vor sexueller Aktivität. Die sexuelle Lustlosigkeit kann von Anfang an vorhanden sein oder sich mit der Zeit im Laufe einer Beziehung entwickeln.
Untersuchungen an medizinischen Patienten lassen vermuten, dass rund 20% der Patienten, die wegen irgendwelcher gesundheitlicher Probleme den Allgemeinarzt aufsuchen, behandlungsbedürftige Sexualprobleme haben.
Eine differenzierte Klassifikation ist notwendig, um zu sehen in welchem Bereich sich ein Problem entwickelt hat.
Störungen der sexuellen Lust
Störung mit verminderter
sexueller Lust
Störung mit sexueller
Abneigung
Störung der sexuellen Erregung
Störung der sexuellen
Erregung bei der Frau
Störung der Erektion
beim Mann
Orgasmusstörungen
Gehemmter Orgasmus
bei der Frau
Gehemmter Orgasmus
beim Mann
Ejakulatio Praecox
(Vorzeitiger Samenerguss)
Störungen mit sexuell bedingten Schmerzen
Vaginismus
Sexuelle Funktionsstörungen
Andere Sexuelle
Störungen
TherapeutInnen unterscheiden die Störungen weiters aufgrund des sexuellen Interesses, der subjektiven Erregung, der physiologischen Erregbarkeit, des Orgasmus, der subjektive Befriedigung, der Häufigkeit sexueller Aktivität und der Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.